Golfemirate sehen sich transparent genug

6. Juni 2002, 19:22
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Vorwürfe der Geldwäsche haltlos - Regeln für traditionelles islamisches Schattenbanksystem Hawala ausreichend

Abu Dhabi - Die Wirtschaft der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ist von den Nachwehen der Terroranschläge am 11. September kaum betroffen, werden sämtliche offizielle Stellen nicht müde zu betonen. Nicht nachvollziehen können sie zugleich Vorwürfe, dass die Emirate als Geldwäsche-Drehscheibe auch von Bin Ladens Terrornetzwerk fungieren würden. Besonders das traditionelle islamische Schattenbanksystem, die Hawala, ist nach dem 11. September in Verruf geraten. Vor zwei Wochen wurden neue Richtlinien beschlossen. Kernpunkte: bessere Überwachung der Hawala-Händler und ein Registrierungssystem.

Laut Sultan Nasser Al Suwiadi, dem Chef der Notenbank in Abu Dhabi, haben die Emirate eine weiße Weste. Die VAE seien im Einklang mit den internationalen Anti-geldwäschebestimmungen.

Kontrollen

"Bei uns sind alle Hawaladars registriert und Kontrollen unterworfen. Wenn andere Länder diese Vorkehrungen nicht haben, ist das nicht unser Problem." Im Schatten würden sich diese Transaktionen nur in jenen Ländern bewegen, die strikte Devisenkontrollen haben. Das beste Mittel gegen mögliche Geldwäsche sei eine Liberalisierung der Finanzmärkte in diesen Ländern, spielt der Notenbankchef den Ball an Länder wie Indien oder Pakistan zurück. Für die Arbeitskräfte aus diesen Länder ist Hawala die billigste und oft auch die einzige Möglichkeit, Geld an ihren Familien daheim zu überweisen. Dass auch illegale Gelder fließen, sei nicht ausgeschlossen, räumt Al Suwiadi ein. Konkrete Zahlen darüber habe man aber keine, ebenso nicht, wie viel Geld per Hawala transferiert wird.

Das System beruht auf der spurlosen Übertragung einer Geldschuld auf eine andere Person an einem anderen Ort. Ein Deal von Afghanistan nach Dubai etwa läuft so: Statt Aufträge zu kabeln, nehmen die Makler in Kabul das Geld ihrer Kunden und rufen dann einen ihnen vertrauten Kollegen an. Dieser gibt dem Klienten gegen das Nennen eines vereinbarten Codewortes die abgesprochene Summe.
Keine Auswirkungen habe der 11. September auf die Investitionen in den Emiraten gehabt, erläuterte der VAE-Notenbankchef einer Gruppe ausländischer Journalisten. "Die Investitionen wachsen kontinuierlich, die Einnahmen sind sogar geringer gefallen als befürchtet." Ein Grund dafür: Die Reichen aus den Emiraten und der gesamten Golfregion würden vermehrt ihr Kapital aus dem Ausland abziehen und in den Emiraten anlegen. (Clemens Rosenkranz, DER STANDARD, Printausgabe 7.6.2002)

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    In Dubai, der Finanzmetropole der Emirate, sind Kamelrennen eine große Leidenschaft der Reichen und der Superreichen.

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