Telecom Italia sagt endgültig ciao

7. Juni 2002, 14:39
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Telekom Austria kauft Mobilkom für 690 Millionen Euro zur Gänze zurück - Nemsic zieht in Telekom-Austria-Vorstand ein

Wien - Die Telekom Austria (TA) hat von der Telecom Italia deren 25-prozentigen Anteil an der Mobilkom für 690 Mill. Euro zurückgekauft. Dies bestätigten mehrere Quellen aus dem Aufsichtsrat der TA am Donnerstagabend. Der Rückkauf war zuvor in Aufsichtsratssitzungen bei der TA und beim Haupteigentümer ÖIAG (47,8 Prozent) einstimmig abgesegnet worden. Die TA ist nunmehr wieder 100 Prozent-Eigentümer der Mobilkom.

Die Telekom Austria wollte den Kaufpreis am Donnerstag offiziell nicht bestätigen. Für Freitag hat das Unternehmen gemeinsam mit der ÖIAG eine Pressekonferenz angesetzt. Laut neuesten Meldungen soll Mobilkom-Chef Boris Nemsic in den Telekom-Austria-Vorstand einziehen

"Fairer Preis für beide Seiten"

In den Kreisen wurde der Kaufpreis von 690 Mill. Euro "als fairer Preis für beide Seiten" bezeichnet. Vor drei Wochen hatte die TI noch 830 Mill. Euro verlangt, heißt es aus den informierten Quellen. Finanzieren wird die Telekom Austria den Rückkauf der Mobilkom-Anteile voraussichtlich vor allem aus Eigenmitteln und über Bankkredite. Der im Vorfeld angekündigte Immobilienverkauf wurde am Donnerstag im TA-Aufsichtsrat nicht diskutiert.

Mit der Mobilkom Austria hat die Telekom Austria die "Cashcow" ihrer Gruppe zurückgekauft. Die Mobilfunktochter des Konzerns hatte per Ende 2001 bereits knapp 4 Millionen Kunden, 850.000 davon bei ihrer kroatischen Tochter VIPnet und 270.000 bei der Slowenien-Tochter si.mobil. 2001 hat das Unternehmen 1,7 Mrd. Euro umgesetzt, um 200 Mill. Euro mehr als im Jahr davor. Ihren Betriebsgewinn (EBIT) hat die Mobilkom dabei von 262 Mill. Euro auf 303 Mill. Euro um fast 16 Prozent erhöht.

Rückzug aus der Telekom Austria

Gleichzeitig mit dem TA-Rückkauf der Mobilkom-Anteile hat die ÖIAG mit der Telecom Italia am Donnerstag auch den schrittweisen Rückzug aus der Telekom Austria selbst vereinbart. An dieser hält die TI derzeit noch 29,8 Prozent. Zunächst wird die TI laut Vertrag voraussichtlich schon im nächsten Monat zehn bis 15 Prozent der TA-Anteile abtreten. Die Beteiligung sinkt dadurch auf unter 20 Prozent und die TI verliert weitgehende Mitspracherechte bei der Telekom Austria. Bis Mitte 2003 ist laut Unternehmskreisen der Komplettaustieg der TI aus der TA geplant.

Die bis zu 15 Prozent, welche die TI in einer ersten Tranche abgeben wird, sollen in einem zweiten Börsegang der TA auf den Kapitalmarkt gebracht werden. Mehrere institutionelle Anleger haben bereits ihr Interesse an zehn Prozent der TA-Anteile zugesagt.

Schuldenberg abbauen

Der Rückzug der Telecom Italia (TI) aus Österreich erfolgt im Rahmen des Verkaufs mehrerer Auslandsbeteiligung. Die TI will damit ihren riesigen Schuldenberg abbauen. Ende 2001 betrug der Schuldenstand der Italiener noch 21,9 Mrd. Euro. Bis 2004 sollen die Schulden auf 15 Mrd. Euro reduziert werden. 3,5 Mrd. Euro davon hat die TI bereits abgebaut. Mit dem Verkauf der Mobilkom-Anteile verringert sich der Schuldenstand um weitere 690 Mill. Euro.

Der Wert des italienischen 28,9 Prozent-Anteils an der Telekom Austria selbst wird auf 1,4 Mrd. Euro geschätzt. Mit dem Verkauf von zehn Prozent würden - gemessen am derzeitigen Börsekurs der TA - weitere rund 450 Mill. Euro in die TI-Kassa fließen.

Man wolle sich auf das Kerngeschäft konzentrieren, sagte TI-Sprecherin Daniela Bracco bereits am Donnerstagnachmittag. In der Finanzwelt werde dieser Schritt begrüßt, so die Sprecherin.

Nemsic zieht in TA-Vorstand ein

"Um die Bedeutung der Mobilkom Austria als vollständig integrierter Bestandteil der TA-Gruppe widerzuspiegeln", wird außerdem Mobilkom-Chef Boris Nemsic in den TA-Vorstand einziehen. Der TA-Vorstand wird damit von drei auf Mitglieder erweitert. Nemsic wird dabei an der Seite von Heinz Sundt, Stefano Colombo und Rudolf Fischer, für die Mobilfunkaktivitäten der Gruppe verantwortlich sein und bleibt gleichzeitig weiterhin Generaldirektor der Mobilkom.

(APA)

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