"Irrationale Abneigung" gegen Österreicher

6. Juni 2002, 20:29
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Wiener Kosovo-Polizist unter Foltervorwurf droht internationaler Haftbefehl

Erst wurde er verhaftet, dann mit Unterstützung seiner Regierung unter mysteriösen Umständen außer Landes geschafft: Über die Affäre um den Wiener Polizisten Martin Almer, der Ende Februar im Kosovo einen Albaner gefoltert haben soll, wächst kein Gras. Nächste Woche soll ein Richtergremium entscheiden, ob gegen Almer ein internationaler Haftbefehl erlassen wird. Folgen die internationalen Richter dem Antrag des Staatsanwalts, kann der Mann Österreich künftig nicht mehr verlassen.

Um die Frage, ob Almer trotz bestehender Immunität hätte verhaftet werden dürfen, läuft bei der Uno-Mission im Kosovo eine interne Untersuchung. Die Darstellung, Almer sei gemobbt worden, wird von deutschen Polizisten in Prizren gestützt: Der regionale Polizeichef Bernd Metterhausen, so berichten sie, soll eine "irrationale Abneigung" gegen Österreicher gepflegt und extensiv ausgedrückt haben. So wetterte er mehrfach gegen "Skilehrer in Uniform" und "Schluchtenscheißer" und setzte einer österreichischen Polizeieinheit in Orahovac gegen die Gepflogenheiten einen ausländischen Kommandeur vor die Nase.

Auf Metterhausen ging die Anweisung zurück, Almer in Uniform in eine Zelle mit Kosovo-Albanern zu sperren. Der Standortkommandant von Prizren, ebenfalls ein Deutscher, widersetzte sich aber diesem Befehl und stellte Almer, der "nur noch geweint" haben soll, unter persönliche Bewachung im deutsch-österreichischen Camp "Casablanca" am Stadtrand von Prizren.

Der internationale Staatsanwalt im Kosovo hat Almer wegen schwerer und leichter Körperverletzung, Erpressung eines Geständnisses, Misshandlung im Dienst, Amtsmissbrauch und uneidlicher Falschaussage angeklagt.

(DER STANDARD, Printausabe, 7.6.2002)
Norbert Mappes-Niediek aus Prizren
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