Farbenwechsel in ORF, Bahn und der Verstaatlichten

6. Juni 2002, 19:52
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Topmanagements ausgewechselt

In der Verstaatlichentenholding ÖIAG und ihren Beteiligungen, den Bundesbahnen und dem ORF kam es unter Schwarzblau zu einem ausgiebigen Personalwechsel.

Zur veritablen Koalitionskrise wuchs sich der Frust der Freiheitlichen über den Küniglberg aus: Peter Westenthaler trotzte, weil er meinte, von der ÖVP bei der Neubesetzung der öffentlich-rechtlichen Anstalt über den Tisch gezogen worden zu sein. Dabei findet sich gar nicht so wenig Blau auf dem Berg. Freilich kaum in gewichtigen Positionen - und bisweilen helfen selbst die nicht recht.

Jörg Haider wird zugeschrieben, dass der bisherige Kärntner Landesintendant zu dessen Informationsdirektor avancierte. Nur liegt im neuen ORF die Macht offenbar woanders: Die bürgerliche Generaldirektorin Monika Lindner bekam Weisungsrecht auch für Programmfragen. Was tatsächlich passiert, entscheidet sich zwischen Lindner und dem ebenfalls bürgerlichen und vor der Bestellung von der FPÖ vehement bekämpften Chefredakteur Werner Mück.

Auf dessen Sessel wollte Westenthaler eigentlich Walter Seledec Platz nehmen lassen. Seledec (der das selbst nicht wollte, wie er den FP-Spitzen schrieb) heißt zwar nun auch Chefredakteur.


Freiheitliche Vergangenheit

Spannender ist da aus Parteiinteressen schon der Job des "Report"-Chefs. Das soll der - wegen seiner Vergangenheit bei den freiheitlichen Studenten - Wolfgang Fuchs werden, bisher Chef der Radioinnenpolitik. Seiner Vorgängerin Gisela Hopfmüller merkte man zumindest bei einigen Interviews ihre Vergangenheit als FP-Pressesprecherin (wenngleich unter Obmann Norbert Steger) nicht an. Sie ist jetzt Wissenschaftschefin.

Politisch alles andere als gut verwertbar ist das Engagement eines Blauen namens Roland Schwärzler: Der Vorarlberger wurde Onlinedirektor. Wesentlicher ein Landsmann, der nicht selten bei blauen Veranstaltungen gesichtet ward: Sportchef Elmar Oberhauser, auch ein Kandidat Lindners für den Infodirektor, moderiert künftig "Runde Tische".

Der Kandidat der Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer für die Infodirektion wiederum soll seiner profunden Sprachkenntnis entsprechend eingesetzt werden: Auf Christian Wehrschütz könnte die Leitung einer ORF-Osteuroparedaktion warten.

Der freiheitliche Frust ließ die Blauen massiven Druck selbst auf Nebenschauplätzen machen: Anstatt des "ZiB 1"-Chefs Robert Stoppacher, zugerechnet der SPÖ, sollte Gertrude Aubauer die Parlamentsredaktion übernehmen. Chancen zuletzt: eher gering.


"Systemexote" Rudolf Streicher

Das erste "Opfer" in der Verstaatlichtenholding ÖIAG war der Aufsichtsrat, der durch den "Freundeskreis von Thomas Prinzhorn" ersetzt wurde: An der Spitze der Papiermanager Alfred Heinzel. Der ehemalige SP-Verkehrsminister und Präsidentschaftskandidat Rudolf Streicher räumte "als Systemexote" (Eigendefinition) folgerichtig bereits im Jänner 2001 seinen Generaldirektorssessel in der ÖIAG. Kollege Johannes Ditz (VP) bekam wenig später Peter Michaelis zur Seite gestellt. Auch Ditz wurde schließlich gegangen, nachdem er noch in den Beteiligungen wie etwa Austrian Airlines für blau-schwarz-kompatible Ordnung gesorgt hatte: Das rot-schwarze Duo Herbert Bammer/Mario Rehulka musste gehen. Und in der ÖBB wich der "rote" Generaldirektor Helmut Draxler dem Deutschen Rüdiger vorm Walde. (fid, mimo)

(DER STANDARD, Printausgabe, 7.6.2002)
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