Das Team Haider um Riess-Passer

6. Juni 2002, 19:46
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Der blaue Wahlkampf wird gemeinsam bestritten, auch Grasser darf strahlen

Die Frage der Spitzenkandidatur ist in der FPÖ nur formell offen. Denn klar ist, dass die Freiheitlichen in jedem Fall mit einem Team den Wahlkampf bestreiten werden. Diesem werden neben der Vizekanzlerin Finanzminister Karl-Heinz Grasser angehören und natürlich der wichtigste Spieler in der Mannschaft, der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider. Dem freiheitlichen Klubobmann Peter Westenthaler kommt keine Statistenrolle, sondern nur eine Rolle am Rande zu.

Susanne Riess-Passer nimmt als Parteiobfrau für sich in Anspruch, auch formell Spitzenkandidatin zu sein. Und wird der Partei einen entsprechenden Vorschlag machen. Da dieser Vorschlag zuvor in den Spitzengremien der Partei abgesprochen wird, ist kaum eine Überraschung zu erwarten. Auch wenn viele in der FPÖ der Ansicht sind, dass Jörg Haider der bessere Spitzenkandidat wäre. Insbesondere die Funktionäre in den Bundesländern, nicht nur in Kärnten, halten nach wie vor große Stücke auf Haider. So hat etwa Leopold Schöggl, Obmann der FPÖ in der Steiermark, im STANDARD unlängst gemeint, man solle Haider fragen.

Gute Werte hat der Kärntner Landeshauptmann allerdings keine. Nur 15 Prozent der Österreicher trauen ihm zu, Kanzler zu werden. Im Vergleich dazu bewegen sich die Werte von Riess-Passer in lichten Höhen: 42 Prozent trauen ihr die Kanzlerschaft zu. Der blaue Strahlemann ist aber Finanzminister Grasser. Ihm trauen 43 Prozent zu, Kanzler zu sein. Und bei der Einschätzung, welcher Politiker klare Vorstellungen von der Zukunft Österreichs hat, schlägt er mit 68 Prozent alle, nicht nur Riess-Passer (52 Prozent), sondern auch Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (54 Prozent).

Grassers Stunde in der Parteihierarchie ist aber noch nicht gekommen, viel zu bescheiden ist die kleine Lobby, die er hinter sich aufbauen konnte. Der Mann, der das Sagen hat, ist nach wie vor der Altobmann, er wird der Partei sagen, wer als Spitzenkandidat antritt. Er selbst oder, was derzeit wahrscheinlicher erscheint, doch die Bundesobfrau und Vizekanzlerin. Mit seiner tatkräftigen Unterstützung selbstverständlich.

(DER STANDARD, Printausgabe, 7.6.2002)
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