Diskriminierungsschutz für Puccini

6. Juni 2002, 18:46
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Europäische Gerichtshof schlug sich mit "Boheme"-Aufführungen der Jahre 1993/94

Luxemburg - Auch seit längerem verstorbene Ausländer aus den Staaten der Europäischen Union dürfen nicht diskriminiert werden, entschied am Donnerstag der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Streit um Urheberrechte an der Oper "La Boheme" des italienischen Komponisten Giacomo Puccini (1858-1924).

Nach dem Luxemburger Urteil können sich die Rechtsnachfolger sogar dann auf das Diskriminierungsverbot berufen, wenn die Betreffenden schon vor dem in Kraft treten der Europäischen Verträge 1958 verstorben ist.

"La Boheme" war 1993 und 1994 mehrfach im Staatstheater Wiesbaden aufgeführt worden, ohne dass dies mit dem Musikverlag Ricordi abgesprochen war, der in Deutschland die Rechte für die Oper wahrnimmt.

Das damalige deutsche Urheberrecht sah für deutsche Künstler eine Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod vor, für Ausländer dagegen eine Frist nach internationalem Recht, hier von 56 Jahren; jene war nun war 1980 ausgelaufen.

Der Verlag Ricordi vertrat jedoch die Ansicht, Puccini müsse wie ein Deutscher behandeln werden, da das europäisches Recht "jede Diskriminierung aus Gründen der Staatsangehörigkeit" verbiete.

Wie nun der EuGH betonte, ist nach dem EG-Vertrag "eine vollständige Gleichbehandlung" zwischen den eigenen Staatsangehörigen und Angehörigen anderer EU-Länder geboten. Dies gelte auch für Personen, die vor in Kraft treten des Vertrages gestorben sind. Im konkreten Fall zeige das Diskriminierungsverbot "immer noch Wirkung für die Rechtsnachfolger von Giacomo Puccini". (APA)

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