Schwere Unwetter über Mitteleuropa und Südostfrankreich

7. Juni 2002, 13:39
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Tote und mehrere Vermisste - Sintflutartige Regenfälle in Venedig - Regenmenge in Luzern wie es sie nur zweimal im letzten Jahrhundert gab

München/Grenoble/Luzern/Rom - Schwere Unwetter haben Donnerstagabend und Freitag in Deutschland, der Schweiz, Südostfrankreich und Norditalien Überschwemmungen verursacht, Schlammlawinen ausgelöst und Straßen blockiert. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben, mehrere Personen wurden Freitag früh noch vermisst.

Luzern: Regenmenge wie es sie nur zweimal im letzten Jahrhundert gab

Heftige Gewitter mit gewaltigen Regengüssen haben in auch der Schweiz zu Überschwemmungen, Erdrutschen und Verkehrsbehinderungen geführt. Hunderte von Kellern wurden überflutet. Besonders stark betroffen waren die Region Luzern und Teile des Kantons Schwyz. In Luzern maß MeteoSchweiz bis Freitag früh 106 Liter Regen pro Quadratmeter - eine Menge, die im vergangenen Jahrhundert nur zwei Mal überschritten wurde, wie der Meteorologe Ludwig Z'Graggen auf Anfrage sagte.

In Luzern verwandelten sich Straßen in reißende Bäche. Auch die Bahnhofeinfahrt stand unter Wasser. Die Bahn mussten den Betrieb zwischen 20.45 Uhr und 22.00 Uhr einstellen. Rund 400 Schadensmeldungen wegen überschwemmten Kellern und Tiefgaragen gingen allein aus dem Raum Luzern ein. 18 Feuerwehren der Region standen im Dauereinsatz.

Hagel in Zürich

Mehrere hundert Telefonanrufe innerhalb von zwei Stunden wegen Wasserschäden registrierte auch die Kantonspolizei Schwyz. Die Hauptverkehrsachse Meggen - Küssnacht zwischen den Kantonen Luzern und Schwyz war wegen Erdrutschen bis am frühen Freitagmorgen auf Straße und Schiene unterbrochen. Auch in anderen Landesteilen waren die Gewitter am Donnerstagabend mit sehr intensiven Niederschlägen verbunden. So wurden in St. Gallen über 50 Liter pro Quadratmeter gemessen. Das Zürcher Weinland wurde zudem von einem Hagelzug heimgesucht.

"Sintflut" in Venedig

Sintflutartige Regenfälle haben auch in Norditalien vielfach zu Überschwemmungen geführt. Wie die Nachrichtenagentur ANSA am Donnerstagabend meldete, stieg in Venedig der Wasserspiegel um 125 Zentimeter, so dass Hochwasseralarm gegeben wurde. Für den Monat Juni war dies ein Rekordstand.

Notstand in einigen Städten in Norditalien

Die gesamte Umgebung von Venedig sowie die Regionen Friaul und Piemont waren am schwersten von den Unwettern betroffen. In Teilen Friauls fielen binnen 24 Stunden 363 Millimeter Niederschlag. In einigen Städten wurde der Notstand ausgerufen. Doch auch weiter südlich bis nach Rom kam es zu schweren Regenfällen. (APA/dpa/AP)

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