Streit zwischen Leo Kirch und Deutscher Bank geht in erste Runde

6. Juni 2002, 18:16
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Gläubigerbanken stimmen Börsegang zu

Der Rechtsstreit zwischen Leo Kirch und der Deutschen Bank ist in die erste Runde gegangen. Das Landgericht München beschäftigte sich mit einem Antrag Kirchs auf Erlass einer Einstweiligen Verfügung gegen die Deutsche Bank. Damit will Kirch erreichen, dass das Kreditinstitut sein Pfandrecht auf Kirchs Springer-Beteiligung frühestens am 11. September ausüben und diese erst dann verkaufen darf.

Die Deutsche Bank will das 40-Prozent-Paket an die Börse bringen. Bei diesen Plänen kam sie trotz des Rechtsstreits einen wichtigen Schritt voran. Nach wochenlangen Verhandlungen stimmten die drei Banken, die Kirchs Formel 1-Einstieg finanziert hatten, den Börsen-Plänen der Deutschen Bank zu. Das erfuhr die dpa in Bankenkreisen.

Kirch wirft der Deutschen Bank unter anderem Aussagen ihres früheren Vorstandschefs Rolf Breuer über die Kreditwürdigkeit Kirchs vor. Mit diesen Aussagen habe die Deutsche Bank die Insolvenz seines Kerngeschäfts ausgelöst, um letztlich selbst davon zu profitieren. Leo Kirch stellte auch Strafanzeige gegen Breuer und fordert zudem Schadenersatz. Der Streitwert für die Zivilklage wurde auf 100 Mill. Euro festgesetzt.

Die Deutsche Bank will das Springer-Paket der KirchGruppe laut einem Bericht des "Handelsblattes" (Donnerstagausgabe) unbeeindruckt von der Auseinandersetzung mit Leo Kirch im Herbst an in- und ausländische Investoren verkaufen. Mit einem Volumen von rund 800 Mill. Euro könnte dies mit Abstand die größte Aktienemission in diesem Jahr in Deutschland werden.

Mit der Beteiligung am Axel Springer Verlag ist sowohl ein Kredit der Deutschen Bank in Höhe von 720 Mill. Euro besichert als auch nachrangige Verbindlichkeiten bei den "Formel-1-Banken" Bayerische Landesbank, Lehman Brothers und JP Morgan Chase. Der Kredit der Deutschen Bank war im Mai fällig geworden und konnte nicht rechtzeitig getilgt werden. Daher fiel der Bank das Recht für den Verkauf zu. Die drei "Formel 1-Banken" mussten den Plänen der Bank wegen ihres zweitrangigen Pfandrechts zustimmen. Den drei Kreditinstituten steht der Erlös zu, der über die 720 Millionen Euro hinausgeht.

Die 40-prozentige Beteiligung am Axel Springer Verlag gilt als ein Filetstück der KirchGruppe. In dem weit verschachtelten Konzern gehört sie zur KirchBeteiligungen, die als einzige der drei Kirch- Bereiche bislang keinen Insolvenzantrag gestellt hat.

Unterdessen hat sich die Stimmung bei dem insolvenzbedrohten Bezahlsender Premiere etwas aufgehellt. Durch die Fußball-WM in Japan und Süd-Korea würden derzeit im Schnitt jeden Tag 2500 neue Kunden gewonnen, teilte der Sender mit. Die Zahl der Kunden kletterte wieder über 2,4 Millionen. Der Bezahlsender Premiere benötigt in den kommenden Wochen einen Überbrückungskredit von etwa 100 Mill. Euro, um die Insolvenz zu verhindern. Die Banken wollen in der kommenden Woche über die Finanzspritze entscheiden. Die Premiere-Mutter KirchPayTV hat bereits Insolvenzantrag gestellt.(APA/dpa)

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