R. Kelly nach Kautionszahlung wieder auf freiem Fuß

7. Juni 2002, 14:30
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Vorwurf der Kinderpornografie - Musiksender streichen seine Videos aus dem Programm

Hamburg/Chicago/Orlando - Der R&B-Star R. Kelly ist nach einer Anklage wegen Kinderpornografie wieder auf freiem Fuß. Nach Zahlung einer Kaution von umgerechnet fast 800.000 Euro wurde der Sänger am Donnerstag in Florida aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen. Ein Richter in der Bezirksstadt Bartow verfügte bei der Festsetzung der Kaution auch, dass sich R. Kelly bis auf weiteres keinen Minderjährigen nähern darf, mit denen er nicht verwandt ist. Der 35-jährige Musiker war am Mittwoch in 21 Fällen der Kinderpornografie angeklagt worden.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft stützen sich im wesentlichen auf ein Video, das nach Aussagen von nahezu 50 Zeugen Kelly beim Sex mit einem Mädchen zeigt, das weit unter 18 Jahren ist. Das Video war an Straßenecken sowie über das Internet verkauft worden. Kelly bestreitet, die Person zu sein, die auf dem Band zu sehen ist.

Er habe Vertrauen in die amerikanische Justiz und sei überzeugt, dass sich seine völlig Unschuld erweisen werde, heißt es in einer Erklärung des Sängers, der weltweit mehr als 23 Millionen Schallplatten verkauft hat. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Gefängnis. Über einen Termin für den Prozessbeginn wurde noch nicht entschieden. Sendeverbot?

Nach den Vorwürfen haben deutsche Musiksender beschlossen, keine Videoclips oder Songs des amerikanischen R&B-Stars mehr auszustrahlen.

MTV-Moderator Markus Kavka sagte am Donnerstag dem Südwestrundfunk (SWR), der Musiksender habe "mit dem heutigen Tag aufgehört, seine Videos zu spielen." Sollten sich die Vorwürfe nicht bestätigen, werde man bei MTV darüber nachdenken, die Videoclips wieder ins Programm zu nehmen.

VIVA zögert

Beim Kölner Musiksender Viva wurde darauf verwiesen, dass R. Kelly noch nicht verurteilt sei. Man werde jedoch eine ähnliche Politik wie MTV verfolgen. Allerdings sei der Sänger sowieso nicht bei Viva im Programm vertreten, da er derzeit nicht in den Charts sei, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Auch der niedersächsische Radiosender ffn teilte mit, er habe alle Songs des Grammy-Gewinners aus dem Programm genommen. (APA/dpa)

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