Hamm-Brücher hält "Haiderisierung" der FDP für möglich

6. Juni 2002, 16:59
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"Grande Dame" der Liberalen schließt Parteiaustritt nicht aus

München - Die prominente FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher (81) hält einen Rechtsruck der Liberalen nach dem Vorbild des Kärntner Landeshauptmanns und früheren FPÖ-Obmanns Jörg Haider weiter für möglich. "Ich denke nicht, dass die Frage des Kurses der FDP geklärt ist", sagte die "große alte Dame" der FDP der Münchner "Abendzeitung" (Freitagsausgabe). Einen Parteiaustritt schließe sie "bis zur nächsten Runde" nicht aus. "Wenn sie (die FDP) auf die Idee käme, sich zu haiderisieren, was offensichtlich beabsichtigt war und ist, würde ich mir meine Schritte offen halten."

Hamm-Brücher forderte nach der Entschuldigung des FDP-Vize Jürgen Möllemann bei den deutschen Juden ein Ende der Antisemitismnus- Debatte. Sie rate Möllemann, den Mund zu halten. "Ich würde ihm dringend raten, das zu tun, damit die FDP nicht neuerlich in Turbulenzen kommt."

Hamm-Brücher war 1994 Kandidatin bei der deutschen Bundespräsidentenwahl, die Roman Herzog gewann. In der sozialliberale Koalition in Bonn (1969-82) unter den SPD-Kanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt wurde sie 1969 Bildungsstaatssekretärin und 1976 Staatsministerin im Auswärtigen Amt.

Die mit einem CSU-Mann verheiratete FDP-Politikerin kritisierte 1982 vehement den Wechsel ihrer Partei hin zu CDU/CSU. Als die bayerische FDP 1998 mit einer klaren Koalitionsaussage zu Gunsten der CSU in den Landtagswahlkampf zog, gab sie aus Protest ihr weißblaues FDP-Parteibuch zurück. Ihre Beiträge zahlte sie seither direkt an die Bundeskasse der Liberalen.(APA/dpa)

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