2.400 Tote jährlich wegen Luftverschmutzung

6. Juni 2002, 16:42
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Mehr als das Doppelte der Unfalltoten - Öffis-Ausbau gefordert

Wien - 2.400 Todesfälle sind laut einer WHO-Studie in Österreich auf Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr zurückzuführen. "Das sind mehr als doppelt so viele, als durch Unfälle sterben", schlug am donnerstag Alfred Brezansky von der Wiener Umweltanwaltschaft Alarm. Seit 1980 ist allein der CO2-Austoß bedingt durch Fahrzeuge von rund 13 Millionen Tonnen auf 20 Millionen Tonnen gestiegen.

Sommer in der Stadt am schlimmsten

Zwar bewirken immer strengere Abgasgesetzgebungen für Kraftfahrzeuge ein Absinken bei den meisten Schadstoffen, durch die ständig steigende Gesamtfahrleistung wird dieser Trend, so Brezansky, aber mehr als egalisiert. "Besonders in den dicht besiedelten Stadtgebieten führen die Belastungen aus dem Verkehr zu einer ständig Verschlechterung der lokalen Umweltsituation", so der Experte.

Insbesondere im Sommer ist die Lage kritisch: Ein Cocktail aus hoher Ozonkonzentration, Staubemission und Partikel aus den Dieselabgasen kann besonders bei Kindern und alten Menschen zu Lungenkrankheiten führen. Zwar will man seitens der Umweltanwaltschaft das Auto nicht verteufeln, aber "es darf nicht mehr wert sein, als das Recht des Menschen auf Gesundheit und Wohlbefinden", betonte Brezansky.

Sündenbock Dieselfahrzeug

Die von der Werbung oft als umweltfreundlich angepriesenen Diesel-Fahrzeuge werden der Umweltanwaltschaft zufolge in der Realität diesem Image nicht gerecht. Gegenüber den "Benzinern" stoßen sie zwei bis drei Mal mehr Stickstoffoxide und bis zu 1.000 Mal mehr Rußpartikel aus, so Dr. Hans-Peter Hutter von der Universität Wien. Die winzigen Partikel werden über die Lunge aufgenommen und breiten sich in ganzem Organismus aus. Die Folge der Abgase: Infekte der Luftwege, Bronchitis sowie Asthma treten vermehrt auf. Bei vorbelasteten Personen erhöht sich das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu streben.

Zu Fuß, per Rad und Öffis

Damit die Situation nicht weiter eskaliert, sind laut Umweltanwaltschaft eine Reihe von Maßnahmen nötig: der öffentliche Verkehr sollte ausgebaut und gleichzeitig attraktiver werden. Gleichzeitig müssten die - für den Menschen ohnehin gesündesten - Fortbewegungsvarianten wie Radfahren und Zu Fuß Gehen vermehrt gefördert werden. Diesel betriebene Fahrzeuge dürften nur mit effizienten Partikelfiltern zugelassen bzw. müssten nachgerüstet werden. Schließlich bedürfe es auch einer vermehrten Aufklärung der Bevölkerung über die Zusammenhänge von Gesundheit, Umwelt und Verkehr. (APA)

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