Terrorattacken drücken auf den Handel

6. Juni 2002, 15:56
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OECD sieht Nachteile in hohem Rüstungsetat - Subventionen für Landwirtschaft rückläufig

Paris - Trotz der weltweit greifenden Konjunkturerholung sieht die OECD langfristige negative Folgen der Terroranschläge vom 11. September auf Handel und Wirtschaft. Vor allem die dauerhaften Auswirkungen durch erhöhte Verteidigungsausgaben und die deutlich gestiegenen Kosten für die Sicherheit im Fracht- und Passagierverkehr sollten nicht unterschätzt werden, heißt es in der jüngsten Studie der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am Donnerstag in Paris veröffentlicht wurde.

Durch schnelle Reaktionen der Regierungen insbesondere in den USA und der Notenbanken sei zwar kurzfristig das Vertrauen in der Wirtschaft wieder hergestellt worden. Die Erhöhung der Rüstungsetats in mehreren Ländern hat nach Auffassung der OECD-Experten die "Friedensdividende", die nach dem Ende des Kalten Krieges positiv in den Budgets zu Buche schlug, aber teilweise wieder aufgezehrt. Zwar könnte die Erhöhung der Verteidigungsausgaben die Wirtschaft kurzfristig ankurbeln, die Mittel fehlten aber langfristig in anderen Bereichen.

Nachteile für Welthandel

Zudem gebe es Nachteile für den Welthandel. Die strengeren Sicherheitsbestimmungen seien zeit- und kostenaufwendig. Vor allem die Frachtkosten in der Luftfahrt seien gestiegen. Der Druck wachse, die Grenzen wieder schärfer zu überwachen und die Kontrollen von Immigranten zu verstärken.

Die neben der Luftfahrt durch die Terroranschläge mittelbar stark betroffene Versicherungswirtschaft habe zwischen 30 und 58 Mrd. Dollar (bis zu 62 Mrd. Euro) verloren. Dennoch sei es zu keinem Unternehmenszusammenbruch gekommen. "Allerdings wurde die Kapitalbasis vieler Versicherungsgesellschaften erschüttert. Ein weiterer vergleichbarer Schock würden einige nicht überstehen", heben die OECD-Ökonomen hervor. Die Branche habe bereits mit Prämienerhöhungen reagiert und versichere auch zum Teil Terror-Risiken nicht mehr. Staatliche Unterstützung sollte dennoch behutsam und zeitlich begrenzt erfolgen.

Subventionen für Landwirtschaft rückgängig

Die Subventionen für die Landwirtschaft in den Ländern der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sind im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Besonders für Milch, Zucker und Reis hätten die Regierungen der 30 OECD-Länder 2001 insgesamt 311 Mrd. Dollar (332 Mrd. Euro) ausgegeben, zehn Mrd. Dollar weniger als im Vorjahr, hieß es in einem am Donnerstag in Paris veröffentlichten Bericht der Organisation.

Die dadurch erzielten Preise landwirtschaftlicher Produkte lagen etwa 30 Prozent über den Weltmarktpreisen, im Vergleich zu 58 Prozent in den achtziger Jahren. Diese Subventionen, die etwa 1,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der OECD-Länder entsprechen, machten etwa 30 Prozent der Einnahmen der Landwirte aus, hieß es in der Studie. (APA)

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