Neue Hotline hilft bei Suche nach Weltkriegssoldaten und Zwangsarbeitern

6. Juni 2002, 14:56
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Eingerichtet vom Institut für Kriegsfolgenforschung - nicht alle Schicksale wurden nach dem Zweiten Weltkrieg geklärt

Graz - Über 130.000 Österreicher kamen im Zuge des Zweiten Weltkrieges in sowjetische Kriegsgefangenschaft, Tausende sind dort gestorben, bei manchen verliert sich der Weg und sie gelten bis heute als vermisst. Hilfe bei der Suche nach vermissten Wehrmachtsoldaten aber auch sowjetischen Zwangsarbeitern, die während des Krieges zum Einsatz in der Landwirtschaft und Industrie auch nach Österreich verschleppt wurden, bietet das Grazer Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung. Im Rahmen der ScienceWeek macht es mit einer Telefonhotline-Aktion auf dieses Serviceangebot aufmerksam.

"Auf Basis der in unserem Institut seit neun Jahren gesammelten einzigartigen Daten können wir innerhalb weniger Minuten erheben, ob es in der Sowjetunion Akten zu den gesuchten Personen gibt", so Barbara Stelz. Die Akten zu den jeweiligen Schicksalen der insgesamt rund 130.000 österreichischen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion und weiteren 300.000 sowjetischen Zwangsarbeitern die in die so genannte "Ostmark" verschleppt wurden, lagern nach wie vor in Russland, Kopien können aber angefertigt werden.

Daten

Die Kosten betragen dann allerdings pro Seite rund sechs Euro. "Die meisten Akte, die wir anfordern, haben letztendlich einen Umfang zwischen 10 und 15 Seiten, so Stenzl. Abgefasst sind die Dokumente in russischer Sprache - das Institut bietet allerdings um weitere 20 Euro einen Übersetzungsdienst an.

1993 erhielt der Grazer Vorstand des Ludwig Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgenforschung, der Historiker Stefan Karner, als erster westlicher Forscher den Zugang zu den geheimen KGB- und NKWD-Archiven zur Bearbeitung der Kriegsgefangenschaft und Internierung in der Sowjetunion. Bisher konnten mit Hilfe der sowjetischen Daten laut Auskunft des Institutes die Schicksale von über 10.000 Österreichern geklärt werden.(APA)

Unter der Telefonnummer 0316/ 82 2500-0 des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Kriegsfolgenforschung in Graz, Schörgelgasse 45, 8010 Graz werden telefonische Anfragen zum Aktenstand zwischen dem 7. und 14. Juni prompt beantwortet.
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