Zum Lizenzentzug

10. Juni 2002, 13:50
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Kirchler: "Ich bin im besten Fußballer-Alter und möchte weiterhin Profi bleiben"

Reinhard Nachbagauer (Bundesliga-Geschäftsführer): "Es ist eine höchst unbefriedigende Situation für den österreichischen Fußball, wenn man dem Meister keine Lizenz geben kann. Aber die wirtschaftliche Situation war derart negativ, dass wir keine Lizenz geben konnten. Es fehlt ein abgesicherter Spielbetrieb, es ist keine Basis da. Die Auflagen wurden weder inhaltlich noch terminlich eingehalten, dazu haben auch Organisationsprüfer Mag. Gsaxner und die KPMG ihre Fortführungsprognosen revidiert."

"Der Imageverlust ist groß, ich hoffe aber, dass diese Aktion zu einem Umdenken führt. Denn diesen Fußball und diese Gehälter können wir uns nicht leisten. Die Vereine müssen sich ganz dringend ausgabenseitig anpassen. Wenn es gelingt, einen Neubeginn zu setzen, dann hat das auch etwas Positives. Ich hoffe, dass ein Umdenken wegen dieser Katastrophe eintritt."

Hans-Werner Weiss (Präsident des VfB Admira/Wacker Mödling): "Der Senat hat es sich nicht leicht gemacht, man hat alles getan, um eine Rettung zu ermöglichen. Den Tirolern wurde eine drei Mal zehnminütige Nachspielzeit mit drei Elfern gewährt. Es muss aber einfach Regeln geben, die einzuhalten sind. Um den FC Tirol ist es natürlich schade, ich bin mir aber sicher, dass er bald wieder gesund zurück kommen wird."

Oliver Prudlo (FC Tirol-Spieler): "Ich bin fassungslos, kann es nicht glauben. Wir waren sportlich top, vor kurzem haben wir noch den Titel gefeiert. Das soll jetzt alles aus sein."

Roland Kirchler (FC Tirol-Spieler): "Ich bin schwer geschockt, traurig und zutiefst deprimiert. Jetzt lasse ich mir zwei, drei Tage Zeit, um zu überlegen. Ich bin im besten Fußballer-Alter und möchte weiterhin Profi bleiben."

Joachim Löw (Trainer des FC Tirol/mit Tränen in den Augen): "Die letzte Stunde vor der Entscheidung war die Hölle. Ich habe gehofft und geglaubt, dass wie die Lizenz bekommen. Jetzt sind wir total zusammen gefallen, ich kann es noch immer nicht realisieren."

Martin Schneider (neuer Geschäftsführer des FC Tirol): "Wir sind geschockt von diesem Fax. Es vernichtet viel Arbeit, die wir zuletzt investiert haben, um die Sünden der Vergangenheit zu eliminieren."

Michael Bielowski (Innsbrucker Sportstadtrat): "Ich bin sprachlos. Tirol war immer ein guter Boden für den Fußball und hatte eine große Tradition. Vielleicht wird ein Verein nachwachsen, aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen."

Walter Knaller (Trainer Admira/Wacker): "Sportlich gesehen war der Titel für die Tiroler absolut verdient, insofern ist es schade und Image schädigend für den österreichischen Fußball. Wirtschaftlich gesehen war es jedoch unfair, deswegen sollte das Ganze heilende Wirkung haben. Bis Montag haben wir Richtung Erste Division geplant, danach haben sich die Ereignisse überschlagen und der Klassenerhalt wurde realistisch. Wir wollen dem Weg der Jugend aber dennoch nicht untreu werden."

Peter Svetits (Sportdirektor der Wiener Austria): "Ich finde es schade für den österreichischen Fußball, dass so ein traditioneller Verein nicht mehr im Oberhaus dabei ist. Es ist traurig, dass einige Vereine medial auf die Tiroler hingehakt haben. Da hätte ich mir ein wenig mehr Solidarität erwartet. Nun wird es sicher zu einem Umdenken kommen."

Friedrich Stickler (ÖFB-Präsident) "Das ist sehr schmerzhaft, war aber irgendwo abzusehen. Es zeigt sich hier, dass beim FC Tirol offenbar über die Verhältnisse gelebt wurde. Diese Situation ist dramatisch und schrecklich, passiert aber auch großen Wirtschaftsunternehmen. Ich glaube nicht, dass das auf unsere EM-Bewerbung eine negative Auswirkung ha. Da gibt es ein klares und eindeutiges Nein."

Heinz Hochhauser (Trainer des FC Kärnten): "Es wurde damit aufgezeigt, dass der österreichische Profi-Fußball gewisse Probleme hat. Tirol ist ja nicht irgendein Verein. Auch wenn es derzeit bitter ist, ist es auch eine Riesenchance. Es müssen nur die richtigen Schlüsse daraus gezogen werden. In Österreich werden teilweise viel zu hohe Spielergehälter bezahlt, so dass einige gar nicht ins Ausland wollen, da sie ohnehin hier genug verdienen. Und diese Spieler verstellen jungen Österreichern den Platz. Wir werden nun die neue Situation, dass wir im UEFA-Cup sind, besprechen, werden uns aber nur verstärken, wenn sich etwas ergibt."

Heinz Schilcher (Manager von Sturm Graz): "Aus nationaler und internationaler Sicht ist es schade, dass so etwas passieren musste. Ob wir nun in der dritten Champions-League-Quali-Runde spielen oder nicht ist Nebensache. Aber das ist ohnehin noch offen und muss von der UEFA entschieden werden."

Hans Krankl (ÖFB-Teamchef): "Das ist für den österreichischen Fußball sehr traurig. Und für unser Image sehr schlecht. Gleichzeitig läuft gerade die WM, von der ich bisher sehr gute Eindrücke habe. Es gibt viele Tore und etliche Überraschungen. Alle Mannschaften, sieht man von Saudiarabien beim 0:8 gegen Deutschland ab, liegen eng beisammen. Was die Favoriten betrifft, so ist es daher noch zu früh, etwas Endgültiges zu sagen. Man muss abwarten."

Rudi Roth (GAK-Präsident): "Ich finde es eine große Tragik für den österreichischen Fußball. Es kommt absolut keine Schadenfreude auf. Dennoch müssen wir unsere Chancen wahren. Es ist eine große Sache, im Jahr unseres 100-jährigen Bestehens nach dem Erringen des Cupsieges auch in der Champions League-Qualifikation spielen zu können. Da müssen wir versuchen, unbedingt in die nächste Runde zu kommen. Mit dem Ungarn Salamon haben wir schon einen neuen Mann verpflichtet, nun müssen wir abwarten, ob wir den einen oder anderen wie vielleicht Akoto verlieren, ehe wir vielleicht noch aktiv werden."

Michael Baur (FC Tirol-Kapitän): "Ein schwarzer Tag für den österreichischen Fußball. Ich bin schwer geschockt, auch wenn es nach den Medienberichten der vergangenen Tage zu erwarten war. Wenn der Fall dann eintritt, tritt auch immer der Schock ein. Ich weiß noch nicht wie es weitergeht, ich werde aber sicher weiter Fußball spielen."

Robert Wazinger: (FC Tirol-Urgestein/35): "Ich habe 15 Jahre bei diesem Verein gespielt, fünf Meistertitel erringen können und jetzt ist von einem Tag auf den anderen meine Karriere beendet. Bei einem anderen Verein in der Bundesliga werde ich sicher nicht spielen, das tu ich mir nicht an."

Stellungnahme der VdF (Vereinigung der Fußballer): "Diese Entscheidung ist der absolute Tiefpunkt in der wirtschaftlichen Entwicklung der österreichischen Fußball-Bundesliga. Die von uns seit Jahren geforderte Einführung effizienter Kontrollmechanismen wurde negiert. Das hat dazu geführt, dass die Bundesliga die Rolle des Masseverwalters übernehmen muss. Obwohl der Bundesliga die dramatische Situation beim FC Tirol bereits seit einem Jahr bekannt ist, wurden keine Maßnahmen gesetzt. Es ist daher völlig unverständlich, dass erst zum jetzigen Zeitpunkt eine solch weit reichende Entscheidung über das berufliche Schicksal vieler Spieler getroffen wird. Die Spieler des FC Tirol, die seit Monaten loyal zum Verein gestanden sind, werden nun für diese Haltung bestraft."

Frank Stronach, Präsident der Bundesliga, nahm den Lizenzentzug des FC Tirol Innsbruck in einer offiziellen Bundesliga-Aussendung "mit großem Bedauern zur Kenntnis. Trotz der intensiven Bemühungen des FC Tirol Innsbruck-Präsidenten Dr. Othmar Bruckmüller ist es dem Verein leider nicht gelungen, die im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens geforderten Auflagen zu erfüllen. Daher war der Senat 5 als unabhängiges Bundesligagremium dazu gezwungen, die Lizenz für das kommende Spieljahr zu verweigern.

Auf Grund der massiven wirtschaftlichen Probleme des FC Tirol konnte der gesicherte Fortbestand des Spielbetriebs in der kommenden Saison nicht mehr gewährleistet werden. Das Ausscheiden des dreifachen Meisters bedeutet zweifellos einen großen Imageschaden für die Bundesliga sowie für den gesamten österreichischen Fußball. Es liegt nun umso mehr in der Verantwortung der Fußball-Bundesliga und ihrer Klubs durch eine seriöse, transparente und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechende Vereinsführung dafür zu sorgen, dass derartige Situationen in Zukunft nicht mehr eintreten bzw. dass rechtzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können." (APA)

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