EZB lässt Leitzinsen unverändert

6. Juni 2002, 15:08
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Duisenberg: Konjunkturaussichten in Euro-Zone bleiben unsicher

Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen in der Eurozone erwartungsgemäß unverändert gelassen. Der wichtigste Leitzins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld bleibt damit bei 3,25 Prozent. Dies teilte die Notenbank am Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rates in Frankfurt mit.

Weiterhin Unsicherheit

Eine Erholung der Wirtschaft in der Euro-Zone ist nach den Worten von EZB-Chef Wim Duisenberg noch immer nicht sicher. Gleichzeitig seien die Aussichten für eine geringe Teuerung weniger gut als noch vor wenigen Monaten angenommen. "Die Aussichten für die Wirtschaft sind weiterhin von Unsicherheit geprägt", sagte Duisenberg am Donnerstag in Frankfurt auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Ratssitzung der EZB.

Duisenberg wiederholte die Erwartung der EZB, dass das Wirtschaftswachstum bis Jahresende auf eine Rate von über zwei Prozent beschleunigen wird. Ölpreise und Ungleichgewichte in anderen Teilen der Weltwirtschaft könnten diese Erwartung jedoch gefährden. Es sei noch zu früh, um die Auswirkungen des gestiegenen Euro-Kurses auf die zukünftige Preisentwicklung vorherzusagen, sagte Duisenberg.

Zinserhöhung Frage der Zeit

Es gilt unter Volkswirten als sicher, dass die EZB im Jahresverlauf die Zinsen erhöhen wird - die Frage ist nur wann. Einige erwarten eine Erhöhung schon im Juli, andere erst nach der Sommerpause im September.

Die Inflation in der Euro-Zone ist in diesem Jahr bisher langsamer gesunken als ursprünglich erwartet und lag im Mai bei der EZB-Toleranzgrenze von 2,0 Prozent. In den vergangenen Wochen haben ein hohes Wachstum der Geldmenge M3 und hohe Lohnabschlüsse in Deutschland Sorgen über zu hohe Teuerungsraten geschürt und eine baldige Zinserhöhung wahrscheinlicher gemacht. Die meisten Experten sind dennoch überzeugt, dass die EZB erst handfeste Belege für den Aufschwung abwartet, bevor sie zur Tat schreitet.

2001 hatte die EZB angesichts der Wirtschaftsflaute in der Eurozone den Schlüsselzins in vier Schritten um insgesamt 1,50 Prozentpunkte reduziert. (APA/dpa)

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