"Ein Projekt, das den Bund nichts angeht"

7. Juni 2002, 14:08
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Schüssel und Grasser verweigern Salzburger Museum im Berg finanzielle Unterstützung - Stadt fühlt sich "brüskiert"

Salzburg - Nach Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und die für Museen zuständige Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hat sich jetzt auch Finanzminister Karl-Heinz Grasser ganz entschieden gegen eine finanzielle Beteiligung des Bundes am Museum im Mönchsberg in Salzburg ausgesprochen. Es handle sich um "Landes- und Stadtprojekt, das den Bund nichts angeht", sagte Grasser.

Salzburg habe im Vergleich zu anderen Bundesländern ohnedies ein attraktives Paket vom Bund erhalten. Als Beispiele nannte er unter anderem das neue Stadion und den Umbau des Kleinen Festspielhauses. Das Museum im Berg sei aber eindeutig eine regionales Projekt. Außerdem zahle der Bund schon beim Museum der Moderne auf dem Berg mit. "Der Bund kann nicht jedes Jahr ein neues Museumsprojekt in Salzburg unterstützen." Nicht zuständig

Beim Hollein-Projekt für das Museum im Berg gebe es keine Zuständigkeit durch die Bundesverfassung, so der Kanzler. Er stehe aber für Gespräche zur Verfügung. Gefragt seien "kreative Wege".

In Salzburg sei für ihn eine Bundesbeteiligung am Umbau des Kleinen Festspielhauses weit näher liegender, damit dieses Haus rechtzeitig für das Mozartjahr 2006 fertig gestellt werde.

Gehrer bezeichnete die Pläne für das Kunstzentrum Mönchsberg "ambitioniert". Der Bund beteilige sich finanziell am Museum auf dem Berg, weil es Kunstwerke zeige, die es in Österreich bisher nicht gebe, weil es eine Lücke schließe. Beim Hollein-Projekt könne man aber nicht erwarten, dass es der Bund als Museum betrachte.

Reaktion

Die Ablehnung sei "eine Brüskierung von Stadt und Land Salzburg und inhaltlich inakzeptabel" äußerte Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (S). Mit seinen Aussagen würde Schüssel lediglich beweisen, dass er Inhalt, Strahlkraft und Potenzial des Hollein-Projekts nicht erfasst habe, erklärte Schaden. Das Hollein-Projekt habe international größten Anklang und Wertschätzung erfahren, was auch durch das Interesse so renommierter Häuser wie dem Kunsthistorischen Museum in Wien, der Eremitage in St. Petersburg und der New Yorker Guggenheim Foundation an einer Beschickung des Hauses untermauert werde.

Die Chancen auf das "Kunstzentrum Mönchsberg" - eine Verbindung des Museums auf dem Berg mit dem Hollein-Projekt im Berg - sind durch die Ablehnung stark gesunken. Landeshauptmann Franz Schausberger (V) merkte dazu an, dass Ende Juni die Studien vorliegen werden, die das Projekt überprüfen. Dann werde er mit diesen Unterlagen dennoch beim Bund "anklopfen". (APA)

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