John Rusnak angeklagt

6. Juni 2002, 15:06
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Amerikanischer Devisenhändler schädigte Allied Irish Bank um 691 Millionen Dollar - Ihm drohen bis zu 30 Jahre Haft

Baltimore - Im Devisenskandal beim größten irischen Geldinstitut Allied Irish Banks (AIB) ist in den USA ein Finanzmakler wegen Betrugs und Bilanzfälschungen angeklagt worden. Wie die Justizbehörden in Baltimore im US-Bundesstaat Maryland am Mittwochabend (Ortszeit) mitteilten, wird dem 37-jährigen John Rusnak, einem früheren Devisenhändler der AIB-Tocher Allfirst, zur Last gelegt, einen Verlust von 691 Mill. Dollar (737 Mill. Euro) bei seinen Geschäften verschleiert zu haben. Rusnak drohen bis zu 30 Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von einer Mill. Dollar. Er wurde nach Erhebung der Anklage von einem US-Bundesgericht zunächst auf freien Fuß gesetzt.

Schwindelgeschäfte

Rusnak war am Hauptsitz der US-Bank Allfirst in Baltimore tätig. Ermittlungen der US-Bundespolizei FBI zufolge wickelte er vor der Nase seiner Arbeitgeber hochriskante und verlustreiche Schwindelgeschäfte ab. Laut Anklageschrift verschleierte Rusnak durch Manipulationen im Computersystem der Bank die Verluste und ließ falsche Angaben über Einnahmen in die Bilanzen einstreuen. Die mutmaßlichen Schwindeleien waren im Februar aufgeflogen. Seitdem arbeitete Rusnak mit dem FBI zur Aufklärung der Affäre zusammen.

"Komplexer Betrug"

AIB begrüßte die Anklage gegen Rusnak und betonte, das Bankenhaus sein Opfer eines "komplexen und raffinierten Betrugs" geworden. Es handelt sich um einen der größten Bankenskandale, seitdem 1995 die traditionsreiche britische Barings Bank nach den Manipulationen ihres Finanzjongleurs Nick Leeson Pleite gegangen war. (APA)

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