Aktion für blindes Vertrauen im Geschäft

6. Juni 2002, 20:11
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"Einkauf mit anderen Augen": Unterstützung für den Umgang mit Blinden in Geschäften

Wien - Hilflos sind sehr oft die anderen. Die nicht wissen, wie sie reagieren sollen, wenn sie einem Blinden begegnen. Die zögern, was sie nun tun - oder besser lassen sollen. Dabei ist es am besten, blinden Kunden "unvoreingenommen entgegenzutreten", wie Heinz Vogel, Vorsitzender der Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs, betont.

Und es sind oft auch nur Kleinigkeiten, die für Blinde zu Stolpersteinen in und vor den Geschäften werden. "Werbetafeln auf dem Gehsteig, Werbefahnen, die einem ins Gesicht klatschen. Da gibt es unmarkierte Stufen und vor allem unmarkierte Glastüren können ausgesprochen gefährlich sein", erläutert Vogel.

Einfache Verhaltensregeln

Es sind daher Tipps für ein paar gar nicht teure Adaptionen und ein paar ganz einfache Verhaltensregeln, die die Wiener Wirtschaftskammer zusammengetragen hat - und nun in der Aktion "Einkauf mit anderen Augen" in den Handel bringt. Start war am Donnerstag in der Fleischerei Fellner im 20. Bezirk - also in unmittelbarer Nähe zur Hilfsgemeinschaft der Blinden in der Treustraße. Bis zum Herbst soll die Aktion des Wiener Einkaufsstraßen-Managements dann auf ganz Wien ausgeweitet werden.

Keine Scheu vor Blinden

Dabei wird interessiertes Verkaufspersonal im Umgang mit Blinden geschult oder die Geschäftsleute bekommen Unterstützung bei baulichen Maßnahmen, etwa beim Anbringen von Markierungen. Die wichtigsten Verhaltensregeln sind auch in einer Broschüre zusammengefasst: Dazu gehört etwa das Grüßen und das "Ansprechen ohne Scheu". Da geht es um das Verkaufsgespräch, was alles erklärt werden sollte - und zwar so, dass es ohne für Blinde sinnlose Informationen wie "dort haben wir die Pullover" abläuft. Das endet beim Zahlen, wobei die Verkäufer laut und deutlich sagen sollten, wie viel Geld sie bekommen haben und wie viel sie zurückgeben.

Werden sie in dieser Weise bedient, entwickeln sich Blinde schnell zu "besonders guten und treuen Kunden", wie Nettig und Vogel einhellig betonten. Nettig: "Wir tun das alles mit reinem Herzen - aber natürlich freuen wir uns auch, wenn wir neue Stammkunden gewinnen können." (frei, DER STANDARD Printausgabe 7.6.2002)

Broschüre "Einkauf mit anderen Augen" kann im Wiener Einkaufsstraßen-Management bestellt werden
Telefon 522 03 66/16 oder rudisch@wifiwien.at
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