Unfallrisiko Medikamente

6. Juni 2002, 12:30
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Einfluss von Arzneimitteln und Drogen auf Verkehrsverhalten erforscht

Innsbruck - Wie groß das Problem des Einflusses von psychoaktiven Substanzen jeglicher Herkunft - in den meisten Fällen normale Arzneimittel - ist, geht aus Forschungsarbeiten von Univ.-Prof. Dr. Hans-Peter Krüger vom Interdisziplinären Zentrum für Verkehrswissenschaften der Universität Würzburg hervor.

"Der Anteil der Personen, die regelhaft psychoaktive Substanzen - Alkohol, Drogen, Medikamente - einnehmen liegt bei 50 Prozent mit einer deutlichen Häufung bei jungen Erwachsenen und bei Personen über 50 Jahren", stellt der Fachmann in der Zusammenfassung seine Vortrages beim Symposium "Arzneimittel und Drogen im Straßenverkehr" in Innsbruck fest.

Weitere Daten

Bei den unter 30-Jährigen überwiegen Alkohol und Drogen, bei den über 50-Jährigen sind es vor allem Medikamente. Zwischen sechs und 21 Prozent der Verkehrsunfälle in Europa geschehen laut einer Studie der Pompidou-Gruppe unter dem Einfluss von Medikamenten.

Das Unfallrisiko ist beispielsweise in der ersten Woche der Einnahme weit verbreiteter Beruhigungsmittel vom Typ der Benzodiazepine laut dem deutschen Experten acht bis zehn Mal so groß wie ohne solche Medikamente. Bei längerfristiger Einnahme sinkt dieses Risiko auch nur auf das Zwei- bis Fünffache im Vergleich zur Gefährdung ohne Einfluss derartiger Mittel.

Forderungen an Wissenschaft und Verkehrspolitik

  • "Es müssen in Österreich Strukturen und finanzielle Ressourcen für eine gezielte Forschung auf diesem Gebiet erschlossen werden."

  • "Wir brauchen eine Änderung der Kennzeichnungsverordnung von Arzneimitteln, die etwaige Nebenwirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit auch quantifiziert."

  • "Gefordert ist insbesondere auch die pharmazeutische Industrie, die schon im Zuge des Registrierungsverfahrens (eines Arzneimittels, Anm.) exakte Daten zu diesem Problemkreis vorlegen müsste."

    Kann-Formulierung nichtssagend

    Von dem im Beipacktext von den Pharma-Erzeugern aus juristischen Haftungsgründen Formulierung "kann Ihre Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen" hält Hochstöger wenig: "Es geht nicht an, dass man dem Konsumenten mit einer "Kann-Formulierung im Beipacktext die alleinige Verantwortung zuschiebt". (APA)

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