Elfriede Jelinek als Dramatikerin des Jahres geehrt

6. Juni 2002, 16:16
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Österreichische Autorin erhält für ihr Stück "Macht nichts" Mülheimer Dramatikerpreis - "Werde Preissumme mit anderen AutorInnen teilen"

Wien - "Ich werde meine Preissumme mit allen anderen Autoren und Autorinnen teilen, die am Wettbewerb teilgenommen haben", verspricht die österreichische Dramatikerin Elfriede Jelinek (55), der am Mittwoch Abend für ihr Stück "Macht nichts" der Mühlheimer Theaterpreis zuerkannt wurde. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Die Aufführung, die Jossi Wieler in einer "wunderschönen Bühne von Anna Viebrock" in Zürich herausgebracht habe, wäre sehr schön, doch sei die Uraufführung in der Presse leider "etwas untergegangen". Die neuerliche Publizität für ihr Stück durch die Salzburger Festspiele, die in ihrem Programm Aufführungen des Mühlheim-Siegerstücks für den 30. und 31. August avisiert hatten, schätzt die Autorin jedoch keineswegs: "Ich gehe nicht gerne nach Salzburg zurück", sagt Jelinek und erinnert daran, dass 1998, als sie "Dichterin zu Gast" bei den Festspielen war, ein Transparent mit ihrem Porträt heruntergerissen worden wäre. "Das Stück ist ein sehr persönliches und ich glaube nicht, dass Salzburg der Ort für dieses Stück ist. Salzburg ist mir zu repräsentativ, zu sehr auf Interpreten ausgerichtet. Ich habe mir eigentlich gedacht, ich möchte dort nicht mehr hin."

Bei den Salzburger Festspielen zeigt man sich indes sehr erfreut über die Wahl. Man werde nun rasch die technischen Voraussetzungen des Gastspiels im Detail prüfen, heißt es aus dem Büro von Schauspiel-Leiter Jürgen Flimm. Die endgültige Entscheidung würde "schnellstmöglich" bekannt gegeben.

Die Tatsache, dass 2003 ein Jelinek-Jahr zu werden verspricht - gleich fünf Jelinek-Uraufführungen sind avisiert (in München/Zürich, Wien, Hamburg, Berlin sowie in Düsseldorf, wo die Autorin einen Beitrag zum Heine-Preis plant), in Graz eröffnet die Österreichische Erstaufführung von "Tod und das Mädchen I-III" den steirischen herbst - erklärt die Dramatikerin so: "Es hat sich jetzt gestaut. Manche Stücke liegen ja zwei oder drei Jahre, andere kommen gleich zur Uraufführung. So etwas kann man nicht steuern. Dieses Jahr hatte ich etwa keine einzige Uraufführungen." (APA)

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