Herbstwärts

12. Juni 2002, 14:56
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Eine kleine Vorausschau auf das, was in der kommenden, kalten Jahreszeit in den Geschäften an Mode zu kaufen sein wird. Von Margit Wiener

Die Mode ist, wie wir alle wissen, ihrer Zeit ein paar Schritte voraus. Schon demnächst, Ende Juni, also mitten im laufenden Sommer, zeigen die Designer in Mailand und Paris, was die Männer im kommenden Sommer tragen werden. Im vergangenen Februar waren bei der größten Handelsmodemesse weltweit, der CPD (Collections Premieren Düsseldorf), jene Herbst- und Winter-Outfits zu sehen, die spätestens nach dem diesjährigen Sommerschlussverkauf - also eigentlich schon sehr bald - in Boutiquen und Modegeschäften eintreffen werden. Die Düsseldorfer Messe, die zwei Mal im Jahr abgehalten wird und an deren Februar-Ausgabe 1800 Aussteller und 45.000 Fachbesucher aus 40 Ländern teilnahmen, ist nicht nur ein Mainstreammode-Megaevent, sondern auch ein wichtiger Treffpunkt für die Branche.

Was bei der CPD gezeigt wird, richtet sich an die riesige Zielgruppe jener, die sich gerne modisch anziehen und auch durchaus Interesse an Trends haben, die aber nicht unbedingt Teile einer Kollektion eines großen Designers besitzen müssen, wollen bzw. können - das ist ja auch eine Frage der Finanzen. Wenig überraschend ist es daher, dass die Kollektionen, die auf den Düsseldorfer Laufstegen zu sehen waren, zum überwiegenden Teil recht einheitliche Trends zeigten.

Die Prophezeiungen für den Herbst und Winter lauten kleidungsmässig so: Aus Realitätsflucht und Romantiksucht braut sich ein Stilkonglomerat zusammen, das als "romantisch-sportiver Trend" ausgewiesen wird. In Mode übersetzt heißt das, dass Elemente aus der Folklore aufgegriffen werden, dass sich Ärmel bauschen, Ausschnitte krausen und Oberteile smoken, dass Einzelstücke - im Gegensatz zum einheitlichen Total Look - wieder aufgewertet werden, dass man noch immer gerne in der Mottenkiste vergangener Jahrzehnte kramt, dass neue Textilien gebraucht aussehen dürfen und dass das alles aber auch recht praktisch und funktionell sein sollte.

Jeans und Denim bleiben uns weiterhin erhalten, als Hosen und auch als eines der bevorzugten Materialien. Luxus kommt gedämpft und unauffälliger daher, Samt, Seide und Spitze darf auch sportiv verarbeitet werden. Stark vertreten sind die dunklen Töne, allen voran Schwarz, dann Anthrazit, dunkles Violett und Braun, dazu viel Weiß und Cremetöne.

Neu im Düsseldorfer Messekonzept ist die Veranstaltung "cpdxsite", auch ausgewiesen als "fashion melting pot" und "junges und schnelles Modesegment". Aussteller aus den Bereichen "Trendfashion" und "Fashion-Jeans" - eine Mischung aus bewährten Global Playern wie Replay und jungen Designhoffnungen wie IvanaHelsinki - präsentieren sich in einer eigenen Halle, der Thematik entsprechend ist man sehr um eine lockere Atmosphäre bemüht, ein wahrlich nicht leichtes Unterfangen bei den doch sehr nüchtern konzipierten Messehallen auf dem riesigen Düsseldorfer Gelände, und ein Konzept, das sich erst bewähren muss.

Noch mehr Vielfalt darf ab der kommenden Ausgabe (4. bis 6. August) bei der CPD erwartet werden. Zur Kleidung für Frauen gesellt sich nun auch jene für Männer: Die Igedo Company integriert den Bereich Herrenmode in die Messe und nennt ihr Event nun "cpd woman man". Eine eindeutige Kampfansage an Köln: Bis dato war der 40 Kilometer entfernte Nachbar am Rhein, mit dem man nicht nur beim Fußball und Bier, sondern auch im Messebereich rivalisiert, der traditionelle Standort für die Herrenmodemessen.

Der Veranstalter KölnMesse hatte zwar vorerst auf den Düsseldorfer Vorstoß reagiert und ein frisch aufpoliertes Konzept seiner "Herren-Mode-Messe" präsentiert, mit dem man sich als "internationale Kommunikationsplattform für Herrenmode und Lifestyle" neu positionieren wollte. Ein neues Konzept, das aber nicht genügend Unterstützung fand: Anfang Juni kam der Rückzug vom Segment der klassischen Herrenmode, weil, so ließen die Kölner verlauten, nicht genügend konkrete Zusagen von Seiten der Aussteller eingegangen waren.

Stattdessen will man sich nun mit voller Kraft auf die junge Mode für Männer und Frauen konzentrieren. Zum einen durch die Messe "Vibes4U", wofür sich Köln als "Szenestadt" ganz hervorragend eigne. Und durch die enge Kooperation mit der eigenständigen Offshow-Veranstaltung "Bread & Butter" (siehe nebenstehender Artikel), die gemeinsam mit "Vibes4U" vermarktet werden soll.

Schade nur um die Image-Kampagne, die die KölnMesse für die "Herren-Mode-Messe" ablichten ließ: Top-Model Markus Schenkenberg, fast nackt und sehr schön, wird jetzt leider nicht auf den Plakatwänden zu sehen sein. []

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