Rainer Ausverkauf

7. Juni 2002, 12:47
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Roland Rainers elegante Stadthallen-Garderoben wurden nach fünfzig Jahren Gebrauch abgewrackt und sollen nun in restauriertem Zustand verkauft werden

Der Wiener Architekt Roland Rainer hat seinerzeit in den 50er-Jahren mit der Wiener Stadthalle neue Maßstäbe einer Moderne in Österreich gesetzt. Das Haus wird derzeit gerade saniert und infrastrukturell auf den Letztstand gebracht. Rainers Möbel für das große Haus - vor allem die charakteristischen gelöcherten Stadthallensessel aus Holz - können heute zu den wichtigsten heimischen Designklassikern gezählt werden.

Einen gewissen Aufruhr verursacht dieser Tage ein Schnäppchen, das dem Wiener Antiquitäten- und Designspezialisten Christof Stein ("Lichterloh") gelungen ist. Er konnte vergangenen Herbst in einer frühmorgendlichen Horuck-Aktion Dutzende alte Rainer-Garderobenständer vor der Stadthalle an sich, in einen Lastwagen und in weiterer Folge in seine Restaurierwerkstätte bringen. Denn die sehr einfachen und eleganten, vielleicht aber nicht mehr ganz zeitgemäßen Garderobengerätschaften wurden seitens der Stadthallenbetreiber entfernt und durch neue ersetzt. Das Mobiliar in der Stadthalle steht nicht unter Denkmalschutz.

Christof Stein war wenige Tage zuvor ausgerechnet von jener Designerin über den Garderoben-Rauswurf informiert worden, die die neuen Ersatzgarderobenständer für die Stadthalle geplant hat. Iris Podgorschek von Podpod Design machte den findigen Edelaltwarenmann auf die Sache aufmerksam und schlug quasi vor, die Ständer zu retten. Was Stein auch tat, weil er meint: "Es war schockierend. Was Design und Architektur anbelangt, gibt es bei uns im Gegensatz zu Ländern wie Frankreich oder Italien absolut keinen Nationalstolz, oder zumindest hört der bei Otto Wagner auf. Dieses Bewusstsein muss sich ändern." Deshalb will er mit dem Gewinn, den er aus dem Verkauf der Rainer-Klassiker zieht, ein Stipendium einrichten oder einen Preis ausschreiben, "damit ein theoretisches Projekt junger Architekten oder Designer verwirklicht werden kann". Geld sollte zur Verfügung stehen, für rund 60 Stück hat Stein kolportierte 12000 bis 20000 Schilling bezahlt, jedes restaurierte Kleinod wird nun um EURO 1850 verkauft.

Iris Podgorschek, zuständig für das neue Mobiliar und letztlich auch für die Rettungsaktion der über 50 Jahre alten ausgedienten Prachtstücke, ärgert sich erstens über die Anti-Stadthallen-Kampagne, die Stein losgetreten hat, und verteidigt die Neuplanungen: "Die alten Ständer sind wunderschön, doch nicht mehr funktional, weil sie sich nicht stapeln lassen und kopflastig sind." Warum die Stadthalle nicht selbst zu Gold gemacht hat, was verschrottet hätte werden sollen? "Weil wir nicht daran gedacht haben."
uwo/derStandard/rondo/7/6/02


Unabhängig davon stellt derzeit die
Galerie Rauminhalt
Roland Rainers wichtigste Möbelentwürfe aus.
Bis 22.6.02
Schleifmühlgasse 13
1040 Wien
rauminhalt
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