"Frauen Ohne Grenzen" fordern 30 Prozent Frauenanteil in Loya Jirga

6. Juni 2002, 14:04
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"Frauenanteil droht trotz Bonner Abkommen auf inakzeptables Minimum zu sinken"

Wien - Die internationale Organisation "Frauen Ohne Grenzen" hat den afghanischen Regierungschef Hamid Karzai und die Internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, Frauen zumindest 30 Prozent der Sitze in der kommenden Woche stattfindende Großen Ratsversammlung (Loya Jirga) zu garantieren. "Der Frauenanteil droht trotz eindeutiger Willensbekundungen in Bonn wieder auf ein inakzeptables Minimum zu sinken", heißt es in einer Presseaussendung der Organisation am Donnerstag. Dies würde einem "Betrug an den Frauen" gleichkommen.

Vorkämpferinnen für Demokratie

Frauen in Afghanistan seien Vorkämpferinnen für Demokratie und Menschenrechte, hieß es. Sie hätten sich in den vergangenen Wochen in einem "unerwarteten Ausmaß" sogar aus entlegenen ländlichen Regionen gemeldet, um an der Loya Jirga-Versammlung teilzunehmen. Dennoch seien sie nicht wahrgenommen worden und würden jetzt wieder unter ihren Burkas verschwinden.

Das Bonner Abkommen habe zum Ziel die "Etablierung einer breit-angelegten, geschlechtlich ausgeglichenen, multiethnischen und vollkommen repräsentativen Regierung in Afghanistan", betonte die Organisation. Afghanistan habe das internationale Abkommen für zivile und politische Rechte unterzeichnet. "Die afghanische Regierung und die internationale Gemeinschaft tragen die Verantwortung, dass der afghanische Regierungs- und Staatsbildungsprozess internationalen Standards entspricht und die Rechte der afghanischen Frauen wahrnimmt". Nur so sei der Aufbau der Zivilgesellschaft gewährleistet.

Sondermaßnahmen notwendig

"Frauen Ohne Grenzen" verwiesen auf das Beispiel anderer Länder, wo Frauen in Nachkonfliktsituationen einen Anteil von mindestens 30 Prozent in der Regierung erhielten hätten. Nur 160 der insgesamt 1.050 Abgeordneten in der künftigen afghanischen Regierung sollen laut Agenturenmeldungen Frauen sein. Afghanische Frauen würden jedoch über 50 Prozent der Bevölkerung stellen. "Die Frauen in Afghanistan haben in der Vergangenheit ihre Rechte verloren und deshalb müssen nun Sondermaßnahmen getroffen werden, um diese wieder einzuführen."

Frauen Ohne Grenzen rufen die internationale Gemeinschaft, UN-Generalsekretär Kofi Annan und den afghanischen Regierungschef Hamid Karzai auf, den Frauen ihren rechtmäßigen Anteil zuzusichern. Nur so ist der Aufbau der Zivilgesellschaft gewährleistet. JedEr kann den Aufruf unterstützen: >>>Zur Unterschriftenaktion(APA)

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