Kartellgericht stoppt Kaufrausch von Spar

6. Juni 2002, 18:53
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Strenge Auflagen für Maximarkt-Deal

Wien - Die Handelskette Spar hat am Donnerstag vom Kartellgericht die Erlaubnis erhalten, sechs Maximarkt-Filialen in Oberösterreich und Salzburg zu erwerben. Im Gegenzug muss Spar eine Reihe von Auflagen einhalten.

Die wohl bitterste Pille dabei: Spar darf bis Ende 2004 kein weiteres Unternehmen im Lebensmittelhandel übernehmen. Ausgenommen davon sind nur Zusammenschlüsse mit Firmen oder Betrieben, die Spar als Großhändler beliefert. Auch solche Zusammenschlüsse würden allerdings der gesetzlichen Fusionskontrolle unterliegen, betonten die Kartellrichter. Begründet werden diese Auflagen mit dem "relativ hohen Konzentrationsgrad im österreichischen Lebensmitteleinzelhandel".

Die sechs Filialen müssen bis Ende 2006 unter der Marke "Maximarkt" und wie bisher als Vollanbieter betrieben werden. Die operative Geschäftsführung - insbesondere die Preis- und Einkaufspolitik - habe laut Kartellgericht durch eine gesellschaftsrechtlich selbstständige Gesellschaft zu erfolgen. Außerdem muss Spar den bisherigen Maximarkt-Lebensmittellieferanten eine bis 31. Dezember 2006 gültige Listungsgarantie für ihre Produkte geben.

Die Auflagen sollten vor allem "dem Schutz der kleinen und mittleren Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelerzeugung dienen, die auf dem Beschaffungsmarkt unter dem Druck der Marktmacht der Großhandelsunternehmen stehen", heißt es in der Aussendung des Kartellgerichts.

"Weise Entscheidung"

Spar-Österreich-Chef Gerhard Drexel bezeichnete die Entscheidung als "umsichtig, weise, aber auch sehr streng gefällt". Maximarkt werde eine eigenständig geführte Marke mit eigenständiger Preispolitik bleiben. Die sechs Filialen würden auch künftig die zahlreichen regionalen Sortimente anbieten. Auch die Verantwortung für Marketing- und Kommunikationspolitik bleibe bei Maximarkt.

Dessen Geschäftsführer Josef Pretzl sprach in einer ersten Reaktion von der "besten Lösung für Maximarkt".

Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig, die Konkurrenz - vor allem Rewe (Billa, Mondo, Merkur, Emma) - hat ab jetzt vier Wochen Zeit, den Entscheid des Gerichts anzufechten. (zwi, APA, DER STANDARD, Printausgabe 7.6.2002)

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