UNO kritisiert Lage in australischen Asyllagern als "dramatisch"

6. Juni 2002, 10:28
1 Posting

Einwanderungsminister schiebt Verantwortung auf Insassen ab

Sydney - Die Vereinten Nationen haben die Lage in australischen Flüchtlingslager als "dramatisch" kritisiert. Insassen, die dort auf eine Entscheidung über ihre Asylanträge warten müssen, zeigten Symptome von Depressionen, sagte UNO-Inspektor Louis Joinet am Donnerstag in Sydney nach einem Besuch von fünf der Unterkünfte. Grund sei vermutlich die andauernde Unsicherheit der Menschen über den Ausgang ihres Verfahrens und die Länge des Aufenthalts.

Als Reaktion auf die Kritik der UNO sagte Australiens Einwanderungsminister Philip Ruddock dem Rundfunksender ABC, die Asylsuchenden würden nicht gegen ihren Willen festgehalten und könnten jederzeit das Land verlassen. Die Menschen seien für Aufenthalte von bis zu drei Jahren selber verantwortlich, wenn sie gegen die Ablehnung ihrer Asylanträge Berufung einlegten.

Derzeit sind rund 2.000 Flüchtlinge in sechs Lagern interniert. In den vergangenen Monaten war es vor allem im südaustralischen Woomera zu teils gewaltsamen Protesten gegen die Dauer der Asylverfahren sowie die Flüchtlingspolitik Australiens gekommen. Nach offiziellen Angaben dauert die Bearbeitung der Anträge im Schnitt vier Monate. Die meisten der Flüchtlinge stammen aus dem Mittleren Osten oder Zentralasien und waren per Boot von Indonesien nach Australien gelangt. (APA/dpa)

Share if you care.