Kampf gegen Diphtherie

7. Juni 2002, 17:17
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Nach einem massiven Ausbruch in den neunziger Jahren ist der geringe Impfschutz noch immer das Hauptproblem

Wien - Eine weiterhin nicht gänzlich bewältigte Gefahr in Europa: die Diphtherie. In den neunziger Jahren kam es in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und des Ostblocks zu einem folgenschweren Ausbruch der Erkrankung. Dabei stellte sich heraus, dass in vielen westeuropäischen Staaten - so auch in Österreich - die Menschen viel zu selten per Impfung gegen die Krankheit geschützt sind.

Vom 12. bis 15. Juni findet im Wiener AKH das 7. Treffen der European Laboratory Working Group on Diphtheria (ELWGD) statt. Die Fachleute diskutieren die besten Strategien zur Bekämpfung der Erkrankung.

Präsentation der aktuellen Zahlen

Die ELWGD ist eine Arbeitsgruppe, in der ein Großteil der europäischen Staaten vertreten ist. Die Ziele sind einerseits die Erhebung von epidemiologischen Daten bezüglich der Diphtherie für ganz Europa und andererseits die Ausarbeitung von medizinischen Programmen zur Bekämpfung dieser Krankheit. Das sind akute Interventionsprogramme bei Krankheitsausbrüchen, längerfristige Impfprogramme und Schulungen von medizinischem Personal im engen Austausch der ost- und westeuropäischen Länder.

Im Rahmen des Treffens werden die Teilnehmer ihre aktuellen Informationen über die Zahl der Diphtherie-Infektionen präsentieren. Außerdem soll ein gemeinsames Papier über die wichtigsten Maßnahmen - speziell Impfungen - zur Bekämpfung der Krankheit entstehen.

Massiver Ausbruch in den neunziger Jahren

Organisiert wird die Tagung von der Universitätsklinik für Unfallchirurgie am Wiener AKH. Der Hintergrund: Zu Beginn der neunziger Jahre fand ein massiver Ausbruch von Diphtherie, besonders in den Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR statt, der eine hohe Anzahl an Todesopfern, speziell unter der erwachsenen Bevölkerung, gefordert hat.

Auf Grund epidemiologischer Daten bestand damals auch die Befürchtung, dass ein Übergreifen der Infektion auch auf die westeuropäischen Staaten möglich wäre. Bei der Analyse der Daten stellten die Wiener Fachleute fest, dass es nur mangelhafte Informationen über die Situation in Österreich gab. Deshalb wurde im Jahre 1996 mit der so genannten VIDITE-Studie (Vienna Diphtheria Tetanus Studie) begonnen. Dabei wurde einerseits der aktuelle Diphtherie- und Tetanusimpfschutzes der erwachsenen Bevölkerung untersucht und zweitens der Effekt einer kombinierten Diphtherie-Tetanusauffrischungsimpfung im Rahmen der chirurgischen Wundversorgung überprüft.

Impfung

Die Informationen daraus zeigten, dass durch die einfache Verabreichung des Kombinationsimpfstoffes gegen Tetanus und Diphtherie bei der Versorgung von Unfallpatienten ein wesentlicher Beitrag zur Steigerung des Impfschutzes geleistet werden kann. Ehemals war an den Unfallkliniken nur gegen Tetanus geimpft worden.

Die Arbeitsgemeinschaft wurde im Rahmen der WHO Region Europa zu Beginn des Ausbruches der Diphtherie in Osteuropa. Sie hat einerseits intensive Schulungen von Laborkräften im Zusammenhang mit der Diagnostik der Diphtherie, vornehmlich in England, durchgeführt und andererseits auch sehr rasch und unbürokratisch Hilfe für die osteuropäischen Länder durchgeführt, indem Impfstoffe zur Verfügung gestellt wurden. Nicht zuletzt, auf Grund der Aktivitäten dieser Arbeitsgruppe, konnte mittlerweile die Anzahl der Diphtherieerkrankungen in den ehemaligen osteuropäischen Ländern deutlich reduziert werden. (APA)

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