Eingeschleppte Schädlinge gefährden weltweit Wälder

6. Juni 2002, 10:53
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Nicht behandeltes Verpackungsholz ist ein idealer Wirt für den asiatischen Laubholzbockkäfer

Wien - Experten schlagen Alarm: Durch kaum kontrollierte "blinde Passagiere" in Verpackungsholz droht Bäumen und Wäldern weltweit Gefahr. Jüngstes Beispiel ist der 2001 erstmals in Europa und Österreich aufgetretene Asiatische Laubholzbockkäfer. Wie Hannes Krehan von der Forstlichen Bundesversuchsanstalt (FBVA) gegenüber der APA erklärte, finden sich in einer erklecklichen Anzahl von Holzpaletten und ähnlichem noch lebende Insekten und Würmer aus den Ursprungsgebieten.

Die Gründe, warum Holz so häufig als Verpackungsmaterial für schwergewichtige Güter eingesetzt wird, liegen auf der Hand. Es ist billig, fast überall verfügbar und bietet guten Schutz. Laut Krehan besteht mehr als 70 Prozent des Verpackungsmaterials aus Holz. Davon sind weniger als fünf Prozent verarbeitet - wie Spanplatten, Sperrholz oder Karton. "Nicht behandeltes Holz ist ein ideales Medium für verschiedene Schadorganismen", erklärte der Forstexperte. Außerdem werde zu Transportzwecken meist extrem schlechte Holzqualität eingesetzt, teilweise sogar Schadholz, das nicht einmal entrindet wurde.

Eingeschleppte Tiere

So können die Schadinsekten wochen- und monatelange Reisen mit Schiff, Bahn und Lkw überstehen und völlig neue Lebensräume erobern. Zum Problem können eingeschleppte Tiere dann werden, wenn die klimatischen Bedingungen im Ankunftsland für die jeweilige Art optimal, genügend Wirts- oder Fraßpflanzen vorhanden sowie weit und breit keine natürlichen Feinde vorhanden sind. Oft kann sich der Schadorganismus auch relativ rasch an geänderte Bedingungen anpassen.

Nicht behandeltes Holz ist ein idealer Wirt

Jüngstes Beispiel für einen - mit hoher Wahrscheinlichkeit - über Verpackungsholz eingeschleppten Schädling in Österreich ist der Asiatische Laubholzbockkäfer "Anoplophora glabripennis". Er trat 2001 - erstmals in Europa - in Braunau (Oberösterreich) auf und stammt ursprünglich aus Südostasien. 1996 war der Laubholz-Schädling in die USA eingeschleppt worden, dort hat er mittlerweile Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Im Gegensatz zu vielen anderen Schädlingen befällt Anoplophora glabripennis auch völlig gesunde Bäume.

Holzpaletten sollten nach Gebrauch verbrannt werden

Laut Krehan sollten die Kontrollen von Verpackungsholz deutlich verbessert werden, speziell bei Importeuren wie Steinverarbeitern, Baumärkten oder der Kfz-Industrie. Speziell Holzpaletten sollten nach Gebrauch unter Aufsicht thermisch verwertet - also verbrannt - und nicht lange gelagert oder an Dritte weitergegeben werden. Von 364 im Jahr 2001 in Österreich analysierten Proben von Verpackungsholz zeigten 120 Symptome von Schädlingsbefall, in 22 Prozent der Nadelhölzer und in sieben Prozent der Laubhölzer waren noch lebende Insekten zu finden. (APA)

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