Buch-Tipp: "Journalistinnen im Tschador" von Lise Abid

6. Juni 2002, 09:17
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Zwei heikle iranische Themen auf einmal

Das Buch von Lise Abid, ursprünglich ihre Publizistikdissertation, behandelt gleich zwei heikle iranische Themen auf einmal: die Medien und die Frauen.

Die in die Öffentlichkeit drängenden, auf Reformen hoffenden Frauen hatten mit ihren Wählerstimmen erstmals 1997 Mohammed Khatami zu einem überragenden Wahlsieg verholfen, was zu einem - mittlerweile allerdings weitgehend beendeten - Aufblühen der iranischen Presse führte, von dem wiederum Frauenzeitschriften profitierten (die, wie die berühmte Zanan, Frauen, zum Teil aber schon älter waren). Eine 1998 gegründete feministische Tageszeitung (Ruzname-ye zan, Tageszeitung der Frau) überlebte nur neun Monate, dann wurde sie auf Gerichtsverfügung eingestellt.

Gleichzeitig gilt das Phänomen, dass immer mehr Frauen in den Journalismus drängen, ebenfalls für den Iran. Wobei es aber klar sein muss, dass die Iranerinnen größere gesellschaftliche Hürden zu überwinden haben als hierzulande.

Die österreichische Muslimin Abid, ebenfalls Journalistin, kennt den Iran sehr gut, das ist an jeder Zeile zu merken. Sozusagen als Nebengeschäft ihrer Arbeit, die bestens und gut lesbar über die weibliche Hälfte der iranischen Medienszene informiert, räumt sie mit vielen der herrschenden Klischees auf, so wenn sie etwa die Geschichte einer Frau nacherzählt, die von den anderen Teilnehmerinnen eines Englischkurses geschnitten wird - weil sie einen Tschador trägt. Mode gehört in den für Frauen zugeschnittenen Medienprodukten zu den thematischen Dauerbrennern, aber da sehr oft im politischen Zusammenhang des Kopftuchgebots. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2002)

Lise J. Abid: Journalistinnen im Tschador. Frauen und gesellschaftlicher Aufbruch im Iran Brandes&Apsel, Frankfurt 2001 191 Seiten, 15,50 Euro
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