Gusenbauer: "Leikam spielt das Opfer"

5. Juni 2002, 21:49
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SP-Chef wirft zurückgetretenem Abgeordneten parteischädigendes Verhalten vor

Wien - SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer reißt nun angesichts der anhaltenden parteiinternen Aufregung um den quasi von der Parteispitze erzwungenen Rückzug des Kärntner Abgeordneten Anton Leikam die Geduld. Im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung" attackiert er den bisherigen Vorsitzenden des parlamentarischen Innenausschusses, der nach einer Zweipromille-Autofahrt seinen Platz im Nationalrat geräumt hatte: "Der Leikam versucht nun, sich in die Position des Opfers zu bringen, das er absolut nicht ist", urteilt Gusenbauer.

Er wolle nicht drohen, aber es sei für die SPÖ unter seiner Führung "unakzeptabel", dass sich jemand in volltrunkenem Zustand ins Auto setze. Es gebe Standards der Glaubwürdigkeit, die er für die SPÖ in Anspruch nehme. Leikam habe ohnehin die Möglichkeit gehabt, selbst zu handeln. Er, Gusenbauer, habe "dem Toni Leikam die Rutsche gelegt". Allerdings habe der Abgeordnete "diese Hand nicht ergriffen".

Angesichts der Vorhaltungen der Kärntner SPÖ, wonach die Landespartei übergangen worden sei, will der SP-Vorsitzende nun zur Tat schreiten. Er wird einen Brief an alle Funktionäre der Kärntner SPÖ schicken, in dem er den Hergang der Dinge schildert - "offensichtlich sei das dort nicht bekannt", wird Gusenbauer in der "Kleinen" zitiert.

Auch den Vorwurf Leikams, ein "Kühlschrank" zu sein, lässt der SP-Chef nicht auf sich sitzen. Er wolle zwar nicht jedes Wort "auf die Goldwaage legen", aber von einem langjährigen Mandatar müsse man verlangen können zu wissen, "welche Taten und Aussagen in der Öffentlichkeit der SPÖ schaden". (APA)

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