Sinn-Fein-Politiker wird Bürgermeister von Belfast

5. Juni 2002, 21:32
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Alex Maskey war in den 70er Jahren inhaftiert

Belfast - Erstmals ist ein Kandidat der nationalistischen Sinn Fein zum Bürgermeister der nordirischen Hauptstadt Belfast gewählt worden. Alex Maskey, der in den 70er Jahren wegen Verdachts der IRA-Mitgliedschaft zwei Mal inhaftiert wurde, erhielt bei seiner Wahl am Mittwochabend die Unterstützung der gemäßigten Alliance-Partei. Diese ist um einen Ausgleich zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland bemüht. Protestantische Stadtverordnete verließen nach Bekanntgabe des Ergebnisses unter lauten Unmutsbekundungen den Saal.

Der 50-jährige Maskey ist erst der zweite katholische Bürgermeister in der jüngeren Geschichte Belfasts, das fast zwei Jahrhunderte lang von Protestanten beherrscht wurde. Seine Partei Sinn Fein, die der Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) nahe steht, stellt im Stadtrat mit 14 Abgeordneten die stärkste Fraktion und bemüht sich schon seit langem um mehr politische Verantwortung. Der frühere Amateurboxer erhielt 26 von 51 Stimmen - 23 aus dem irisch-katholischen Lager und drei von der Alliance-Partei. Die probritischen Protestanten hatten zwei Kandidaten aufgestellt, unter denen ihre insgesamt 25 Stimmen aufgespalten wurden.

Einer der unterlegenen Bewerber, Chris McGimpsey, nannte die Entscheidung einen Skandal. Die protestantische Seite werde sich nunmehr weigern, den Posten des stellvertretenden Bürgermeisters zu übernehmen. Das Stadtoberhaupt von Belfast wird jährlich gewählt, das Amt hat lediglich symbolische Bedeutung.

Maskey war in vergangenen Jahren mehrfach Angriffsziel protestantischer Untergrundgruppen. 1987 erlitt er einen Bauchschuss, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Er überlebte jedoch auch weitere Attentatsversuche. 1993 wurde einer seiner Freunde erschossen, der in seinem Haus eine Sicherheitsanlage einbaute. (APA/AP)

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    Der neue Bürgermeister von Belfast, Alex Maskey

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