Kritischer Blick voraus: 30 Jahre Institut für angewandte Systemanalysen in Laxenburg

5. Juni 2002, 20:10
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Viele gemeinsame Ost-West-Aktivitäten hat es während des Kalten Krieges ja nicht gegeben. Man war wohl eher auf das gegenseitige Ausspionieren konzentriert. Bei der Erforschung des globalen Wandels, also der zu erwartenden wirtschaftlichen, ökologischen und gesellschaftlichen Änderungen wollte man dennoch gemeinsam vorgehen. So wurde 1972 auf Initiative der ehemaligen UdSSR und der USA ein Institut gegründet, dessen Namen nicht viel aussagt, das aber immerhin an einem reizvollen Ort mit historischer Bedeutung zu finden ist: das Institut für angewandte Systemanalysen (IIASA) in Schloss Laxenburg etwa 20 km südlich von Wien. In den herrschaftlich-hohen Räumen wird seither etwa nach umweltverträglichen Energiestrategien, den Auswirkungen der Luftverschutzung oder neuen Methoden des Katastrophenmanagements geforscht.

Die Sicherung der Ernährung war Thema eines Seminars im Herbst 2001. Damals erklärte man: Klimaveränderungen, ausgelöst auch teilweise von den Industriestaaten, würden dazu führen, dass sich die Bedingungen für die Landwirtschaft nur in den Verursacherstaaten verbessern. Auf Kosten der Entwicklungsländer.

Derzeit hat das IIASA, laut Eigendefinition ein regierungsunabhängiges Non-Profit-Institut, 17 nationale Mitgliederorganisationen. In Österreich ist es die Akademie der Wissenschaften. Seit mehr als zehn Jahren bringt das IIASA das Magazin Options heraus, seine Beiträge reflektieren die Probleme und Themen, mit denen man sich seit nunmehr 30 Jahren beschäftigt: dem politischen, wirtschaftlichen Wandel in China (seit kurzem ebenfalls Mitglied des Institutes), mit Aids in Südafrika und der Energiegewinnung im 21. Jh.

Einblick in die Forschung will das IIASA während der diesjährigen "Science Week" geben. 15 Wissenschafter des Institutes werden an vier Veranstaltungen und Diskussionsrunden teilnehmen. (pi/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 6. 2002)

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