Der Kampf ist zäh und noch lang nicht zu Ende: die Umsetzung einer fairen Geschlechterdemokratie

5. Juni 2002, 20:04
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... im Bereich Wissenschaft und Forschung in Österreich - daher ist ein ständiges Sichtbar-Machen dieser Problematik notwendig

Die Geschlechterungleichheit bei Frauen in der Forschung zeigte sich auch, wie in vielen Bereichen des Arbeitslebens, anhand einer Studie, durchgeführt von Ulli Papouschek und Ulli Pastner. Die beiden haben die Arbeits- und Lebensrealität von Wissenschafterinnen untersucht, die nicht auf Universitäten, sondern in rechtlich selbstständigen Forschungsinstituten ihren Lebensunterhalt verdienen.

Schließlich sind die Zustände auf den Unis nicht gerade rosig. Nach einer Zählung von 1998 wurden insgesamt 15 außerordentliche Universitätsprofessoren ernannt, wovon zwei Frauen waren. Das ist ein Anteil von rund 13 Prozent. Auch wenn in den letzten Jahren vermehrt Frauen sowohl zu außerordentlichen Professorinnen ernannt als auch als ordentliche Professorinnen berufen wurden, ist die Situation noch immer nicht befriedigend. Ob die außeruniversitäre Forschung für Frauen also eine gangbare Alternative wäre, dafür haben Papouschek und Pastner Antworten gesucht. "Die Benachteiligung von Frauen im außeruniversitären Wissenschaftsbereich wurde sowohl in den quantitativen Ergebnissen zum Arbeitsmarkt der außeruniversitären Forschung deutlich als auch denen der Fallstudien und in biografischen Interviews zu konkreten Arbeitsbedingungen und Berufslaufbahnen", erklären die beiden Wissenschafterinnen.

Differenzen

Es ist leider so, dass man vermehrt dort Frauen antrifft, wo die Beschäftigungsverhältnisse fragil und unsicher sind. Dort, wo sich Männer eben nicht so gern aufhalten. Leitende Positionen nehmen auch im außeruniversitären Forschungssegment überdurchschnittlich häufig Männer ein. Und auch der Spagat zwischen Beruf und Kind wird hier als "Problem von Frauen" und nicht als eines der Eltern eingestuft. "Die Sensibilität gegenüber Frauendiskriminierung ist höchst unterschiedlich ausgeprägt. Das hängt nicht zuletzt mit der gesellschaftspolitischen Ausrichtung der Institute und ihren Forschungsfeldern zusammen", so Papouschek und Pastner. Es wäre also mehr als wichtig, dass forschungspolitische Strukturänderungen vorgenommen werden.

Im Projekt "Differenzen" stellten Herta Nöbauer und Patri zia Zuckerhut ebenfalls die derzeitigen Zustände an den Pranger: "Dem gegenwärtigen, nahezu alles beherrschenden ,Zwang zur Ökonomisierung' stehen die unsicheren ökonomischen und sozialen Bedingungen gegenüber, unter denen hoch qualifizierte Wissenschafterinnen arbeiten müssen." Es gäbe kaum Wissenschafterinnen in unbefristeten Jobs, und das Einkommen würde deutlich geringer ausfallen als jenes ihrer männlichen Kollegen. (Dodo Kresse/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 6. 2002)

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