Erkenntnisse zum Anfassen

5. Juni 2002, 19:48
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Peter Rebernik, Gründer der "Science Week", im STANDARD-Gespräch

STANDARD: Wurde die Idee zu dieser Veranstaltung von Ihnen tatsächlich erfunden oder haben Sie dabei auf Vorbilder zurück gegriffen?

Peter Rebernik: Im Rahmen der immer mehr zunehmenden Aktivitäten zur Stärkung und Verbesserung des "Public Understanding of Science" werden seit mehreren Jahren Science Weeks in Australien, Großbritannien, Irland, Kanada, den Niederlanden, Thailand und den USA veranstaltet. Der Begriff "Public Understanding of Science" wurde 1985 vom britischen Department of Trade and Industry geprägt und in Edinburg die erste "Science Week" veranstaltet. International gesehen ist aber die österreichische Veranstaltung - auf die Bevölkerung bezogen - die eventreichste dieser Art.

STANDARD: Gibt es nationale Unterschiede zwischen den Veranstaltungen?

Rebernik: Wir sind einige der wenigen Science Weeks der Welt, in die auch die Kulturwissenschaften eingebunden sind. Unsere Teilnehmer kommen zu 64 Prozent aus der Naturwissenschaft und zu 26 Prozent aus der Kulturwissenschaft. Eine österreichische Besonderheit ist auch, dass Schulen mitmachen.

STANDARD: Wie wird Ihre Veranstaltung von den teilnehmenden Instituten bewertet?

Rebernik: In einer Befragung bekamen wir von fünf möglichen Noten die Note 1,9. Rund 70 Prozent der Teilnehmer machen bei uns mit, weil es ihnen auch persönlich Freude bereitet. Der Erfolg der Veranstaltung beweist, dass für viele Wissenschafter der oft zitierte Elfenbeinturm nicht mehr existiert. Dies ist deshalb besonders bemerkenswert, da rund 9000 Wissenschafter - ohne ein Honorar dafür zu bekommen - an der Vorbereitung der fast 900 Veranstaltungen beteiligt sind.

STANDARD: Worin besteht die Besonderheit Ihrer "Science Week"?

Rebernik: Wir können Wissenschaft nicht unterrichten, aber es besteht die Möglichkeit, die Begeisterung der Wissenschafter zu kommunizieren. Dies schafft für Besucher Brücken und sie wollen sich dann näher mit Wissenschaft einlassen.

STANDARD: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung dieser Veranstaltung?

Rebernik: Im letzten Jahr kamen 40 Prozent der Teilnehmer ein zweites Mal, und ich nehme an, dass sich viele Institute in Zukunft in einem vierjährigen Rhythmus präsentieren werden.

STANDARD: Haben Sie auch ein Rahmenprogramm?

Rebernik: In einer österreichweiten Aktion am 12. Juni um 13.30 Uhr wünschen wir uns, dass möglichst viele Menschen eine Luftsprung - aber nur im Freien und nicht auf Brücken - machen. Wir möchten die Erde erschüttern und warten gespannt, ob diese Aktivität für die seismografischen Stationen messbar sein wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 6. 2002)

Peter Rebernik, Gründer der "Science Week", im Gespräch mit Manfred Lechner über Kommunikation zwischen Wissenschaftern und wissbegierigem Publikum.
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