Selbst Spuren von Öl bringen Leguansterben

5. Juni 2002, 19:38
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Eine Ölpest kann auch dann verheerende Folgen haben, wenn sich der eigentliche Teppich bereits aufgelöst hat

Princeton/Washington - Eine Ölpest kann auch dann verheerende Folgen haben, wenn das Öl nur in Spuren auftritt. Das zeigte sich nach einem Tankerunfall im Januar 2001 bei den Galapagos, der zunächst ohne große Schäden blieb. Denn starke Strömungen verteilten das Öl rasch. Aber im Folgejahr gab es unter den Meeresleguanen ein Massensterben: An jenen Stränden, an die Öl in geringen Mengen gelangt war, starben 62 Prozent der Population.

Sie gingen langsam zugrunde, vermutlich vor Hunger. Denn das Öl ist giftig für Magenbakterien, mit denen sie ihr Futter verdauen. Forscher der University Princeton, die das Leguansterben nun dokumentierten, warnen deshalb vor "harmloser" Ölverschmutzung durch kleinere Unfälle von Tankern oder Lecks in Pipelines.

Allerdings tragen solche Quellen immer weniger zur Gesamtbelastung bei, seit nach den großen Tankerunfällen die Schiffe sicherer gebaut werden: Die meisten Erdölprodukte, die Küstengewässer verschmutzen, kommen vom Endverbraucher, sei es von lecken Ölwannen etwa von Autos, sei es von Flugzeugen, die Treibstoff ablassen, sei es - vor allem in den USA - von vielen Wassersportgeräten mit Zweitaktern.

Aus all diesen Punktquellen stammen laut einer Studie der US-Akademie der Wissenschaften 85 Prozent der anthropogenen Ölverschmutzung der US-Küstengewässer (weltweit: 70 Prozent).

Allerdings verölt nicht nur der Mensch die Meere, die Natur selbst trägt auch dazu bei, und zwar ausgerechnet bei den USA viel mehr: 60 Prozent des Öls vor ihren Küsten (weltweit: 40 Prozent) steigt aus Spalten am Meeresboden. (jl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 6. 2002)

Vgl. "Nature", Vol. 417, S. 607
"Science"
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