Neun Gedächtnisorte

5. Juni 2002, 19:26
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Gedenkweg in Bregenz erinnert an Naziopfer

Bregenz - Römerstraße 7, ein Bregenzer Bürgerhaus mit Geschäften und Büros. Seit Mittwoch weist ein kleines rotes Plakat auf die frühere Nutzung des Gebäudes hin. Von 1938 bis 1945 war es Gestapo-Hauptquartier, eine Zentrale des Schreckens. Tausende Menschen mussten hier Verhöre und Folter ertragen. Das Haus ist einer von neun Gedächtnisorten, die nun ein "Gedenkweg zu Widerstand und Verfolgung" erschließt. Zwischen Seekapelle beim Rathaus und Bundesdenkmalamt in der Oberstadt werden "Namen zu konkreten Lebensläufen, alltägliche Orte zu Lernorten der Menschlichkeit" (Projektleiter Walter Buder und Andreas Eder).

Gedenkweg und Begleitbroschüre wurden von der Ökumenekommission der Diözese Feldkirch als Projekt zum Bodenseekirchentag herausgeben. Nach dem christlichen Treffen (vom 21. bis 23. Juni), werden die Plakate der Erinnerung wieder entfernt. Ob man sie durch fixe Tafeln ersetzt, ist noch ungewiss.

Vizebürgermeister Albert Skala (VP), der in seiner Eröffnungsrede die "kollektive Verpflichtung zur Aufarbeitung der Vergangenheit" beschworen hatte, muss nachrechnen: "Zuerst müssen wir wissen, was solche Tafeln kosten, dann sollten wir einen Sponsor finden." Und Hausbesitzer, die Erinnerung und Mahnung zulassen.

Die erste Bregenzer Gedenktafel für Naziopfer, 1985 am ehemaligen Gefängnis und heutigen Bundesdenkmalamt angebracht, wurde ins Hausinnere verbannt. Aus Gründen des Denkmalschutzes. (jub/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 6. 2002)

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