Rätsel um Polsprünge der Sonne vor der Lösung

5. Juni 2002, 19:30
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Die mögliche Erklärung: 805.000 Kilometer lange Gasbrücken von den Polen zu den Sonnenflecken

Stanford - 805.000 Kilometer lange Gasbrücken könnten ein altes Rätsel klären: Warum die Magnetpole der Sonne - anders als jene der Erde - periodisch springen.

Die Erklärung stammt von den Satelliten SOHO (Solar and Heliospheric Observatory, Nasa) und Yohkoh (japanisch: "Sonnenstrahl"), deren Daten aus den Jahren 1991 bis 2001 nun fürs menschliche Auge Unsichtbares visualisieren: riesige Brücken in der Sonnenkorona, gebildet aus Gaseruptionen mit über 1,9 Millionen Grad Celsius, begleitet von starker Röntgenstrahlung.

Wie Physiker des Hansen Experimental Physics Laboratory in Stanford unter Koordination der Physikerin Elena Benevolenskaya nun herausfanden, spannten sich diese Gasbögen von den Magnetpolen zu Sonnenflecken der jeweils anderen Ladung, also etwa vom positiven Sonnenpol zu einem negativen Flecken (Astrophysical Journal Vol. 571, S. L181). Sonnenflecken treten meist paarweise auf: ein führender mit derselben Ladung wie der ihm nähere magnetische Pol und ein gegenteilig geladener Folgefleck. Und genau zu diesen bildeten sich die Gasbrücken, denn keine einzige überwand den Äquator.

Die nun, dank Röntgenaufnahmen sowie Magnet- und UV-Daten, erstellten Karten zeigten die Brücken alle zwölf bis 18 Monate, wenn die Sonnenflecken wieder einmal ausbrachen. Die Folge: ein höchst intensiver Stromfluss zwischen den Brückenenden.

Je näher nun das Sonnenmaximum des Jahres 2000 rückte, desto mehr solcher magnetischer Bögen bildeten sich. Schließlich, so die Interpretation der Forscher um Benevolenskaya, führte das heiße Treiben zur Umpolung der Sonne. (rosch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 6. 2002)

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