WM-Sehen anderswo

7. Juni 2002, 19:52
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6.Juni 2002 - Wozu sind Fußballkommentatoren gut?

Heftiges WM-Schauen in Ländern, deren Sprache man nicht versteht, legt nahe: Die Wortkaskaden des Sprechers tragen wesentlich zur Rhythmisierung der Wahrnehmung bei. Im Griechischen etwa entwickelt "Snajda. Snajda? Klose. Snajda. Snajda!" (zu deutsch "Schneider") bei zunehmendem Fleißaufkommen des betreffenden Spielers eine fürwahr berauschende Wucht.

Ansonsten aber - wenn wir schon einmal in Griechenland sind - braucht man Moderatoren kaum. Und wenn der Mythen-Vorrat (Mythos: eine sehr beliebte hellenische Biersorte) stimmt, erträgt man sogar die Werbeblöcke: vorher und nachher zehn, zwischen den Halbzeiten 20 Minuten - immer wieder für Autos, Computer und Sportartikel. Wobei ein Lieblingsmotiv der Videoclips auf Dauer zur üblen Karikatur der realen Verhältnisse verkommt:

Oft werden da elf internationale Superkicker gegen - sagen wir einmal: japanische Sumoringer aufs Feld geschickt. Oder gegen Karatekämpfer. Lustig? Ein klarer Fall von hochdotiertem Klischee. Denn: Die wirklichen Stars der WM haben leider (noch) keine Werbeverträge. Japan ist super! Und die hochdotierten "Stars", die in Hochglanz-Zeitlupe Turnschuhe ins Bild hielten, sehen nur noch in PR-Zeitlupe gut aus. In Wirklichkeit wälzen sie sich oft wehleidig am Boden. "Mensch, die Italiener steh'n erst gar nicht mehr auf", ruft dann in der Taverne ein deutscher Tourist nach vor. Um das zu bestätigen, brauchen wir echt keine Moderatoren. (cp/DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 6.6.2002)

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