Telecom Italia schließt das Dossier Österreich

5. Juni 2002, 18:41
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Geplanter Börsegang ist bereits ab Juli möglich

Mailand - Die Mailänder Wirtschafts- und Finanzpresse kündigte zu Wochenmitte den unmittelbaren Ausstieg des italienischen Telekomgiganten von Telekom Austria an. Dabei enthaltene Details über den angeblich bereits unterzeichneten Mobilkom-Verkaufsvertrag und einer ab Juli geplanten Platzierung von "zehn bis 15 Prozent" der von Telecom Italia gehaltenen Telekom Austria Anteile wurden von Telecom Italia nicht dementiert.

Wie der STANDARD berichtete, will die Telekom Austria als Teil eines Gesamtpaketes ihre Mobilfunktochter A 1 Mobilkom zur Gänze zurück kaufen. Fixiert werden soll der Deal, heute, Donnerstag, bei der Hauptversammlung.

Marktbedingungen ausschlaggebend

"Die Marktbedingungen werden ausschlaggebend für den Zeitpunkt des Börsengangs sein", heißt es in unternehmensnahen Kreisen. Bei Telecom Italia wird eine eigens für den Börsengang in Wien einberufene Verwaltungsratssitzung ausgeschlossen. Telecom Italia wird seine 29,8-prozentige Beteiligung bei der Telekom Austria schrittweise, von Juli 2002 bis zum Jahr 2004, abbauen.

Der Verkauf der Sperrminorität an Mobilkom Austria wird von der italienischen Presse als so gut wie sicher, zu einem Preis "zwischen 700 und 800 Mio. Euro" angenommen. Die Beteiligung bei Mobilkom wurde in der Bilanz der Telecom Italia Dachholding Olivetti zum Jahresende 2001 mit 544 Mio. Euro, die Telekom Austria Beteiligung mit 1,46 Mrd. Euro bewertet. Telecom Italia Konzernchef Marco Tronchetti Provera will reinen Tisch machen und die Auslandsbeteiligungen so schnell wie möglich los werden. Darüber gibt es keinen Zweifel.

Verkaufsprogramm

Denn innerhalb von zehn Monaten hat er bereits einen großen Teil des bis Ende 2003 angekündigten Verkaufsprogramms umgesetzt. Insgesamt will Tronchetti Provera sechs Mrd. Euro für den Abbau der Schulden (insgesamt rund 34 Mrd. Euro) aus Beteiligungsverkäufen gewinnen. Davon hat er bereits 3,5 Mrd. Euro realisiert.

Zum Verkauf steht noch die Satellitenfirma Telespazio und die kleine französische Telekomfirma Neuf. Tronchetti Provera braucht dringend Erfolgserlebnisse. Der Markt hat in den vergangenen Wochen die einst, bei der Präsentation der Sanierungskur gewährten Vorschusslorbeeren wieder zurückgenommen. Die zum Provera zählenden Werte, von Olivetti über Pirelli bis zu Telecom Italia, Seat Pagine Gialle und TIM befinden sich neuerdings im freien Fall. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Printausgabe 6.6.2002)

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