Stromwechsel wenig populär

5. Juni 2002, 18:54
1 Posting

Weil zu bürokratisch und wenig Preisdifferenz, sagen Berater

Wien - Die seit vergangenem Oktober bestehende Wahlfreiheit des Stromanbieters wird von den Österreichern und Österreicherinnen nur zögerlich genützt. Von den gut drei Mio. Haushalten haben nach Angaben der Regulierungsbehörde E-Control bisher rund 40.000 ihren Stromanbieter gewechselt. Das liegt zwar im Rahmen der Erwartungen, ist im Vergleich zu Skandinavien oder Großbritannien bescheiden wenig.

Karlheinz Bozem, Partner und Vice President des international tätigen Beratungsunternehmens Booz Allen Hamilton, erklärt sich die Sache so: "In Österreich ist der Wechsel von einem Stromanbieter zum anderen immer noch mit viel Bürokratie verbunden; außerdem sind die Preisdifferenzen gering."

Bei Switch, einem Tochterunternehmen der Energie Allianz um EVN, Wienstrom, Energie AG Oberösterreich, Linz AG sowie Bewag, ist man dennoch zufrieden. "Von den 40.000, die bisher gewechselt haben, sind 12.000 unsere Kunden geworden", sagte Switch-Geschäftsführer René Huber. Von den bis Jahresende erwarteten 60.000 "Stromwechslern" will Huber 25.000 bei Switch haben.

Direktvertrieb verstärkt

Damit das gelingt, verstärkt die Energie-Allianz-Tochter den Direktvertrieb und will ab August auch in Kärnten und Tirol aktiv Kunden werben. Die Kundenakquisition wird wie schon in der Steiermark und in Salzburg über das auf Tür-zu-Tür-Besuche spezialisierte US-Unternehmen Ranger Marketing gemacht. In Ostösterreich schließt Huber Direktmarketing in nächster Zeit aus. Wegen der vergleichsweise niedrigeren Verbrauchsmengen seien die Vertriebskosten dort hoch. Was nicht gesagt wurde: Im Osten Österreichs würde Switch auch den Eigentümern in die Quere kommen.

Mit netto 3,1 Cent je Kilowattstunde sei Switch "das preisgünstigste Unternehmen in Österreich", sagte Huber. Während ein Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 3500 kWh bei der steirischen Steweag beispielsweise 578,18 Euro zahlen muss, sind es bei Switch nach Angaben von Huber 568,46 Euro. Trotz der geringen Preisdifferenz von knapp zehn Euro im Jahr habe man in den vergangenen Wochen stärkeren Zulauf verspürt. "Pro Tag gewinnen wir etwa hundert Neukunden, früher waren es manchmal nur zehn", sagte der Switch-Geschäftsführer. (stro, DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2002)

LINK
Switch
Share if you care.