Ja zu Abfangjagd ohne Abfangjäger

5. Juni 2002, 19:03
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Umfrage: Mehrheit für Luftraumüberwachung - aber auch gegen neue Jets

Wien - Wenn man nur geschickt genug argumentiert, dann bekommt man auch in Österreich eine Mehrheit für die Luftraumüberwachung zustande. Das hat das Verteidigungsministerium mit Hilfe einer market-Umfrage bewiesen, aus der eine sechzigprozentige Unterstützung für die Abfangjäger herauszulesen ist.

Allerdings kommt das Reizwort "Abfangjäger" in der Fragestellung gar nicht vor: "Soll in Zukunft der österreichische Luftraum kontrolliert und überwacht werden oder besteht dazu Ihrer Meinung nach keine Notwendigkeit mehr?" lautete die 1000 Österreichern vorgelegte Frage. Darauf sagten 60 Prozent, dass sie sehr wohl für eine Überwachung sind, nur 31 sehen heutzutage keine Notwendigkeit mehr für eine Luftraumüberwachung und neun Prozent antworteten gar nicht.

Das Ministerium ließ bei den rund 600 Personen, die ganz allgemein für eine Kontrolle des Luftraumes sind, nachfragen: "Soll der österreichische Luftraum durch das Bundesheer oder durch jemand anderen kontrolliert und überwacht werden?"

Daraufhin gaben 81 Prozent die vom Verteidigungsministerium erwünschte Antwort, dass das eine Aufgabe für das Bundesheer sein sollte - wobei wiederum nicht dazugesagt wurde, dass für die Luftraumüberwachung eben Abfangjäger notwendig wären.

Fragt man unter Verwendung des Reizworts, so gibt es ein umgekehrtes Ergebnis. In einer SWS-Umfrage des Instituts für Trendforschung hieß es: "Halten Sie es für wichtig, dass der österreichische Luftraum durch Abfangjäger gesichert wird?" - worauf nur 26 Prozent ja und 60 Prozent nein sagten.

Diejenigen, die Österreich die Flugzeuge anbieten, sind unterdessen damit beschäftigt, für den Abfangjägerkauf an sich und für ihr jeweiliges Produkt Stimmung zu machen. Wie berichtet, setzt Lockheed Martin weiterhin auf die preiswerte generalüberholte Version "MLU" seiner F-16 - und verbreitet, dass man sich im Verteidigungsministerium doch auch mit modernisiertem Gebrauchtgerät anfreunden könnte.

Für diesen Fall will aber auch Saab noch einmal gefragt werden. "Wir haben das nicht angeboten, weil Österreich dezidiert gesagt hat, dass es neue Flugzeuge will - aber wir könnten jederzeit auch gebraucht Gripen liefern, die nur ein paar hundert Flugstunden drauf haben, aber substanziell billiger als neue Flugzeuge sind," sagt Roger Lantz von Saab. (cs, DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2002)

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