Chefsache verantwortet der Chef

6. Juni 2002, 10:21
52 Postings

SPÖ und die Nachwehen der Causa Leikam - Zilk empfiehlt Gusenbauer einen neuen Job: Generalsekretär

Wien - Josef Cap, geschäftsführender Klubchef der SPÖ, sprang am Mittwoch für seinen Alfred Gusenbauer in die Bresche. Cap verteidigte die Vorgangsweise der Parteiführung bei der Demontage des Kärntner SP-Abgeordneten Anton Leikam, dem nach seinem Unfall unter Alkoholeinfluss der Ausschluss angedroht worden war, ehe er selbst zurücktrat. Zum Vorwurf, man habe dem Betroffenen über die Medien und nicht im persönlichen Gespräch den Rücktritt nahe gelegt, meinte Cap: "Das ist ganz einfach. Der Anton Leikam hat die Klubführung über dieses Ereignis nicht informiert."

Es sei in jedem Unternehmen üblich, die Führung über Angelegenheiten, welche die Tätigkeit dort betreffen, zu informieren. Genau das habe Leikam aber nicht getan, dadurch sei viel Zeit verloren gegangen. Insgesamt sei die Kritik daher nicht begründet, "weil wir jederzeit mit ihm gesprochen hätten, wenn er uns darüber informiert hätte, was hier passiert ist".

Cap verteidigte auch Gusenbauers Aussage, wonach er sich seine Abgeordneten nicht aussuchen könne. Gusenbauer habe damit nicht Kritik am Klub geübt, sondern sich nur darauf bezogen, "dass der Souverän der Wähler ist". Dass Leikam zurücktreten musste, ist für aber Cap klar: Wer mit 2,0 Promille ins Auto steige, gefährde nicht nur sich selbst, sondern auch andere. "Das ist inakzeptabel und mit der Tätigkeit im Parlament nicht vereinbar." Ein Abgeordneter beschließe immerhin die Gesetze, "daher erwartet der Bürger, die Bürgerin, dass der auch die politische Verantwortung übernimmt".

Die Kärntner SPÖ fühlt sich in der Causa Leikam offensichtlich übergangen. Die Spitze der Bundespartei habe diese "von der ersten Minute an zur eigenen Sache gemacht", sagte Landesvorsitzender Peter Ambrozy. Daher sei die Sache auch von ihr zu verantworten, fügte er hinzu. Er selbst habe Bundesvorsitzenden Gusenbauer empfohlen, den Vorfall "auf Bezirks- und Landesebene abzuhandeln". Doch dieser habe ihn zur "Chefsache" erhoben. Der Bundesführung warf er vor, "nicht alle Kommunikationsschienen ausgenützt" zu haben.

"Politischer Irrweg"

SP-Vorsitzender Gusenbauer widmete sich am Mittwoch schon anderen Themen: Der "Haidersche Rechtspopulismus als Tempomacher des europäischen Rechtspopulismus" müsse bei den nächsten Nationalratswahlen in Österreich besiegt werden, erklärte er bei einer Fachtagung der Sozialdemokratischen Partei Europas (SPE) zum Thema "Strategien gegen den Rechtspopulismus in Europa", an der auch der britische Exaußenminister und jetzige SPE-Chef Robin Cook teilnahm. Gusenbauer: "Was in Österreich als politischer Irrweg begonnen wurde, das soll auch in Österreich beendet werden."

"Kein Charisma"

Wiens Altbürgermeister Helmut Zilk bohrt derweil genüsslich in einer der offenen Wunden der SPÖ. "Alfred Gusenbauer hat kein Charisma", meinte er in einem Interview mit News. "Er ist ein durch und durch sympathischer Mensch. Er ist belesen, gebildet, und er ist interessant. Aber Charisma hat er keines. Das kann man auch nicht lernen."

Die Frage, ob Wiens Bürgermeister Michael Häupl nicht der bessere Spitzenkandidat für die Bundes-SPÖ wäre, bejahte Zilk, denn Häupl verfüge über "Sachwissen, Intelligenz und Charisma". Gusenbauer selbst sei "geboren für den Generalsekretär der Partei". Ein Wechsel an der SPÖ-Spitze komme seiner Ansicht nach vor der Wahl aber nicht mehr infrage: "Man hat sich festgelegt, jetzt ist der Zug abgefahren." (APA, völ, DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2002)

Die SPÖ wird noch von den Nachwehen der Causa Leikam geschüttelt. Vorsitzender Alfred Gusenbauer will derweil schon den Haiderschen Rechtspopulismus beenden, Altbürgermeister Helmut Zilk empfiehlt ihm aber einen neuen Job - als Generalsekretär.

SIEHE

Gusenbauer: "Leikam spielt das Opfer"

Avancen der Freiheitlichen "finden keinen Widerhall"
SP-Bundesgeschäfts- führerin Andrea Kuntzl nimmt im STANDARD- Interview Stellung zu innerparteilicher Kritik nach dem Leikam-Rücktritt - Die Kärntner SPÖ murrt

Share if you care.