Blauer Adel, schlechter Geruch

11. Juni 2002, 17:26
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"Blaues Blut, wohin man schaut, von den neuen Herren der Staats- Industrie bis zur Pensionsversicherungs- Anstalt" - ein Kommentar von Peter Pilz

Der Adel ist zurück. Blaues Blut, wohin man schaut, von den neuen Herren der Staatsindustrie bis zur Pensionsversicherungsanstalt. "Adel" ist der oberösterreichische Ausdruck für das, was man sonst als "Jauche" bezeichnet. Der neue Adel stinkt - aber das ist eben so, wenn man geradewegs aus dem Sumpf kommt. Als einer seiner prominenten Vertreter hat jetzt Harald Gaugg angekündigt, sich das Leben nehmen zu wollen. Seine Androhung lautet konkret: "Ich werde die Pensionsversicherungsanstalt ausmisten!" Als neues blaues Spitzenmitglied derselben weiß er, dass a) ein Funktionär, der durch einen Parteischacher seinen Posten erhalten hat, selbst wohl der "Mist" ist und b) blaue Funktionäre sich mit allem, was sie haben, an ihre Posten klammern.

Wie kann nun Gauggs Leben gerettet werden? Möglichkeit Nummer eins wird von Gauggs Wirtschaftsfreunden bevorzugt: die Anstalt wird ganz einfach aufgelöst. Gauggs Installierung kann auch so verstanden werden: Zuerst wird der Ruf und dann das Unternehmen selbst ruiniert. An der Privatisierung der Sozialversicherung wollen sich etliche Prinzhörner schon längst etwas dazuverdienen.
Möglichkeit Nummer zwei: Der ganze Gaugg wird frühpensioniert, der Funktionär und der Abgeordnete. Dann rückt der nächste nach. Er wird ebenso geringe Qualifikationen und ebenso großen Appetit mitbringen.
Möglichkeit Nummer drei: Die ganze Regierung wird von den Wählern in Frührente geschickt. Dann kann ein neues Kabinett zeigen, wie man ein im Kern gesundes öffentliches System sozialer Sicherheit durch Reformen erhält. Und dann kann man beginnen, den ganzen Adel vom ORF bis zur ÖBB wieder loszuwerden - bis die Republik nicht mehr stinkt.

NACHLESE
--> Quelle: "die USA" - 22.5.2002
--> Unsere Bürgerwehr - 15.5.2002
--> Hatzl vs. Israel - 7.5.2002
--> Für ein Verdummungsverbot - 30.4.2002
--> Der achte Mai - 24.4.2002
--> Acht Monate bedingt - 16.4.2002
--> Alles Trotteln? - 9.4.2002
--> Vogt statt Dichand - 3.4.2002
--> Auf nach Bagdad, hurra! - 26.4.2002
--> Untersucht Haider! - 19.3.2002
--> Banane statt Adler - 13.3.2002
--> Waffenschieber ja, junge Mutter nein - 27.2.2002
--> Weitere Kommentare von Peter Pilz, die in der Rubrik "Fremde Feder" erschienen sind.

"Fremde Feder" ist eine Kolumne auf derStandard.at für KommentatorInnen von außen.

Peter Pilz ist Sicherheitssprecher der Grünen und im Internet mit www.peterpilz.at vertreten.

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