Keine Lizenz für den FC Tirol

7. Juni 2002, 14:57
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Bundesliga-Meister für die Regionalliga spielberechtigt - Admira bleibt oben

Innsbruck - Am Donnerstag hat die Schuldenfalle endgültig zugeschnappt. Der österreichische Fußball-Meister FC Tirol wird die kommende Saison in der Regionalliga West bestreiten, nachdem die von der Bundesliga geforderten 4,5 Millionen Euro nicht aufgetrieben wurden. Die wirtschaftliche Talfahrt der Innsbrucker, die mit zahlreichen Neuverpflichtungen außerhalb des möglichen finanziellen Rahmens sowie überzogenen Spielergehältern begann und in der Verhaftung von Manager Robert Hochstaffl am Dienstag gipfelte, fand damit ihren logischen Schlusspunkt.

Erfolgsgeschichte

Die Innsbrucker scheinen aus den Vorfällen von 1994, als das vom angeblichen "Finanz-Genie" und später verhafteten Klaus Mair gesponserte "Dream Team" wie eine Seifenblase zerplatzte, nichts gelernt zu haben. "Tirol muss wieder Meister werden", erklärte der frühere Präsident Martin Kerscher 1997. Um dieses Vorhaben in die Realität umzusetzen, wurden sämtliche wirtschaftliche Vorgaben außer Acht gelassen. Trainer Kurt Jara wurde ab seinem Amtsantritt 1999 (fast) jeder Spielerwunsch erfüllt, und der nunmehrige HSV-Coach bastelte eine Mannschaft, die von 2000 bis 2002 drei Mal en suite den Titel holte.

Finanzielle Misere

Doch der Erfolg war teuer erkauft, der österreichische Champion auch Meister der Maßlosigkeit. Die Ausgaben für Personalkosten stiegen sprunghaft an, was die Einkünfte aus Ticket-Verkauf und Sponsor-Erlösen bei weitem nicht zu kompensieren vermochten. Budgets wurden fahrlässigerweise im Hinblick auf eine Champions-League-Teilnahme geplant. Nachdem die Qualifikation für die "Fußball-Königsklasse" zwei Mal verpasst worden war, suchte Kerscher das Heil in einer dubiosen Finanz-Transaktion mit dem US-Unternehmen "Parker Leasing, mit dem Ergebnis, dass die Innsbrucker um 10 Millionen Schilling ärmer, die Staatsanwaltschaft Innsbruck um einen Akt reicher war.

Lizenz mit Auflagen

Kerscher übergab den Vorsitz des trudelnden Vereins im vergangenen November an Othmar Bruckmüller, eine Kehrtwende in Richtung finanzielle Konsolidierung ließ aber weiter auf sich warten. Diverse Ultimaten der Spieler, die nur noch selten Geld sahen, verstrichen im Ein-Monats-Takt, aber mit der kurzfristigen Rettungsaktion des Tiroler Raiffeisen-Chefs Fritz Hakl hielt sich Tirol noch kurz über Wasser und erhielt zunächst von der Bundesliga die Lizenz für die Saison 2002/03, allerdings mit Auflagen.

Das Wunder blieb aus

Aber Hakl spielte nur kurz "Feuerwehr", und das von ihm entfachte Strohfeuer war spätestens zu jenem Zeitpunkt gelöscht, als der Banker seine Sanierungsbemühungen für beendet erklärte und ergänzte, den FC Tirol "kann nicht einmal mehr ein Wunder retten." Durch den Abschied des langjährigen Gönners Gernot Langes-Swarovski von der Spitze seines Konzerns verschwand auch der letzte Hoffnungsschimmer vom Innsbrucker Horizont, der sich in den kommenden Tagen noch weiter verdunkeln dürfte.

Schwerer Betrug, Untreue, Abgabenhinterziehung,...

Manager Hochstaffl wurde wegen des Verdachts auf schweren Betrug, Untreue, Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, Nichtabführung von Dienstnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung und Abgabenhinterziehung verhaftet, auch gegen Bruckmüller, der für alle Schulden des Vereins bis 30. Juni persönlich haftet, und Kerscher wird ermittelt. Während die Haupt-Proponenten des Tiroler Finanz-Desasters ins Fadenkreuz der Justiz geraten, gehen im modernsten Stadion Österreichs in einigen Wochen höchstens noch Partien der Regionalliga West in Szene. (APA)

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