Nach Dammbruch Dörfer überflutet

5. Juni 2002, 23:01
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Syrien: Zwanzig Menschen ertrunken

Sejsun - Durch den Bruch eines Staudamms in Nordsyrien sind zwanzig Bewohner in drei überfluteten Dörfern ertrunken. Das Ministerium für Bewässerungsfragen hatte zuvor erklärt, man gehe von nur sehr wenigen Opfern aus.

Der Stausee hat laut Angaben des Ministeriums 71 Millionen Kubikmeter Wasser gestaut (zum Vergleich: der Speicher Kaprun-Mooserboden fasst 85 Millionen Kubikmeter). Bei dem Unglück sei nahezu die gesamte Füllmenge ausgelaufen. Die Überschwem-mung erstreckte sich auf rund 60 Quadratkilometer, zumeist Ackerland.

100 Häuser zerstört

Da die Telefonverbindungen zu der Unglücksregion abgerissen waren, gab es zunächst keine zuverlässigen Angaben über das gesamte Ausmaß der Schäden. Schätzungsweise 100 Häuser seien zerstört, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Sana am Mittwoch. Am schwersten betroffen war demnach das Dorf Seisun. Aus Wasser und Schlamm ragte nur noch das Minarett der Moschee heraus.

An der Staumauer der Talsperre in der Region Alghab (rund 250 Kilometer von der Hauptstadt Damaskus entfernt) hatten sich laut Angaben von Bewohnern bereits am Dienstag die ersten Risse gezeigt. Gewarnt von den Anzeichen des drohenden Dammbruchs hatten die Bewohner in den umliegenden Dörfern eilig und in Selbsthilfe mit der Evakuierung begonnen. "Es begann am Nachmittag an der Staumauer zu tröpfeln und da sind wir losgerannt", sagte ein Bewohner des Dorfs As-Sijarah. In den Überschwemmungsgebieten trieben die Kadaver ertrunkenen Viehs.

Warnung

Die aus Sejsun geflüchteten Menschen hätten die Nachbarn beim Vorbeifahren vor der Gefahr gewarnt, sagte ein Augenzeuge. "Sie schrien: ,Macht, dass ihr sofort rauskommt', und wir haben alles ins Auto gepackt und sind weg." In fünf Tagen hätte die Ernte eingeholt werden sollen. "Nun ist alles hin", fügte der Dorfbewohner hinzu.

Die Geretteten klagten, die Behörden hätten auf die Hinweise auf die Gefahr nicht angemessen und schnell genug reagiert. "Da gab es 28 Telefone im Dorf, und jeder von uns hat bei der Provinzregierung angerufen", sagte einer der Betroffenen. (DER STANDARD, Printausgabe 06.06.2002)

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