Israelische Armee rückt in Jenin ein

5. Juni 2002, 13:54
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Kampfhubschrauber beschießen palästinensische Stadt

Jenin - Israelische Panzer sind am Mittwoch nach dem Selbstmordanschlag in Nordisrael in die palästinensische Stadt Jenin im Westjordanland eingerückt. Wie aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete, stießen israelische Truppen aus drei Richtungen in die Stadt vor, zwei Kampfhubschrauber feuerten auf die Stadt. Bei dem Anschlag am Morgen waren mindestens 17 Fahrgäste eines Linienbusses und der Attentäter getötet worden. Der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon hatte daraufhin in Jerusalem das Sicherheitskabinett zu einer sofortigen Krisensitzung einberufen.

Zu dem Anschlag hat sich die radikale Untergrundgruppe "Islamischer Heiliger Krieg" (Jihad Islami) bekannt. Die palästinensische Führung hat das Attentat "auf das Schärfste" verurteilt. CIA-Chef George Tenet richtete eine deutliche Warnung an Präsident Yasser Arafat. Wenn es weitere Selbstmordattentate gebe, werde die US-Regierung nicht mehr eingreifen und dem israelischen Ministerpräsidenten "freie Hand" lassen, sagte Tenet am Mittwoch nach Angaben eines hochrangigen Palästinenservertreters.

Minister für Verbannung Arafats

Die israelische Bildungsministerin Limor Livnat sagte nach der Sondersitzung des Sicherheitskabinetts in Jerusalem, mehrere Minister hätten die Ausweisung des palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat verlangt. Der Berater von Ministerpräsident Ariel Sharon, Raanan Gissin, deutete eine umfassende militärische Aktion an: "Nach diesem Anschlag wird es keine Zuflucht und keinen sicheren Ort mehr für Terroristen geben", sagte er. Beobachter vermuteten eine umfassende Offensive im Gaza-Streifen, wo sich die Hochburg des "Islamischen Heiligen Kriegs" befindet.

Der US-Nahost-Sondergesandte William Burns hat am Mittwoch zum Abschluss seiner Nahost-Reise bekräftigt, dass militärisches Vorgehen nicht zu einer Lösung des Konflikts beitragen könne. Alle Parteien im Konflikt müssten an der Notwendigkeit einer Verhandlungslösung festhalten, sagte Burns nach einem Treffen mit dem libanesischen Außenminister Mahmoud Hammoud in Beirut. (APA/AP/Reuters)

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