Danielle Mitterrand: "Vergesst die Sozialisten!"

5. Juni 2002, 12:50
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Französische Präsidentenwitwe: Rechte Politik soll von rechter Regierung gemacht werden

Paris/Berlin - Vor den französischen Parlamentswahlen empfiehlt Präsidentenwitwe Danielle Mitterrand den Anhängern der Linken: "Vergesst die Sozialisten und ihre Führer". In einem Interview für die "Berliner Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe) drückt die 77-jährige prominente französische Sozialistin die Meinung aus, es wäre für Frankreich besser, wenn eine rechte Politik von einer rechten als von einer linken Regierung gemacht werde. Den Rückzug der Linken fast überall in Europa führt die Witwe des verstorbenen Staatspräsidenten Francois Mitterrand darauf zurück, dass "der Sozialismus nicht mehr von Parteien, Regierungen und Ideologien getragen wird".

"Die wahre Linke, die eine sozialistische Politik des Teilens, des demokratischen Wandels und der Mitbestimmung anstrebt, erkennt sich in denen nicht wieder", sagte Danielle Mitterrand. Das Debakel von Lionel Jospin bei der Präsidentenwahl habe gezeigt, dass "die Linke ihre Wurzeln im Volk verloren hat". "Die linken Regierungen, die es durchaus ehrlich meinen, wagen es nicht, den kapitalistischen Systemen Widerstand zu leisten; die Angst vor jedem Wechsel lähmt sie. Sie wollen einfach nicht die Hand ergreifen, die ihnen das Volk reicht. Jospin und seine Freunde haben das Land verwaltet, aber keine tief greifende sozialistische Revolution geschaffen, die das linke Volk erwartete."

"Als Jospin am 21. April gehen musste, sagte er: 'Aber wir haben doch eine gute Politik gemacht, wir waren Musterschüler des Internationalen Währungsfonds'. Das beweist doch, dass er den Hauptgrund der Niederlage nicht begriffen hat. Wir wollen nicht Musterschüler des IWF sein, weil genau der die Völker mit seinem Geld und seinen Methoden unterdrückt."

Danielle Mitterrand verteidigte die Entscheidung ihres Mannes, 1986 durch die Änderung des Wahlsystems dem rechtsextremen "Front National" von Jean-Marie Le Pen den Einzug ins Parlament zu ermöglichen, nur um die demokratische Rechte zu spalten: "Francois hat richtig gehandelt. Man musste die Rechtsextremen aus ihren Löchern herausholen, um zu sehen, wer sie sind. Heute allerdings benutzt man sie dazu, den Bürgern Angst zu machen, um einen Vorwand für eine harte Law-and-order-Politik zu haben." (APA)

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    Danielle Mitterrand

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