Betriebsrat sammelt Unterschriften

7. Juni 2002, 14:35
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Postbus-Vorstand warnt vor weiteren Streiks - Fahrgäste sollen Anliegen der Mitarbeiter unterstützen

Wien - Mit einer Unterschriftenaktionen will der Postbus-Betriebsrat nun die Fahrgäste für seine Anliegen mobilisieren: Seit Freitag verteilen die Lenker Flugblätter, auf denen der Fahrgast mit einer Unterschrift die Postbus-Mitarbeiter in ihrem Kampf gegen die Teilprivatisierung des Unternehmens unterstützen kann. "Die Regierung ist uneinsichtig. Sie hält am Ruin des Postbusses fest", heißt es auf dem Flugblatt der Belegschaft. Der Vorstand der Österreichischen Postbus AG warnt unterdessen vor weiteren Streiks: Sollten die Busse nochmals in den Garagen bleiben, sei der Sanierungskurs und damit letztlich auch das Unternehmen gefährdet, so Postbus-Vorstand Wilhelmine Goldmann am Freitag in einer Pressemitteilung.

Der Postbus soll gemäß Regierungsbeschluss an die ÖBB zunächst zur Gänze übertragen werden. Die ÖIAG-Hauptversammlung hat am Freitag dafür den Weg geebnet. In weiterer Folge soll ein Drittel an Private abgegeben werden. Der Betriebsrat fürchtet bei der Teilprivatisierung den Abbau von 1.000 Arbeitsplätzen und die Stilllegung zahlreicher Linien im ländlichen Raum.

Verkehrsversorgung bedroht

Ohne Postbus gebe es in 700 österreichischen Gemeinden keine öffentliche Verkehrsversorgung, warnt Robert Wurm, Vorsitzender der Postbus-Personalvertretung. Private Unternehmen würden viele Linien zu diesen Gemeinden aus Kostengründen einstellen oder die Preise "extrem erhöhen", so Wurm in einer Pressemitteilung.

Auf dem Flugblatt machen die Postbus-Mitarbeiter mit Slogans wie "Lukrative Postbuslinien werden verkauft!", "Der Rest ist von Einstellung bedroht!", "Die öffentliche Verkehrsversorgung wird zerstört!" auf ihre Anliegen aufmerksam. "Bitte unterstützen Sie unsere Postbuslenker und Kollegen! Sie kämpfen auch für Sie!" soll die Fahrgäste schließlich zur Unterschrift motivieren. Noch für Juni hat Wurm bereits weitere Proteste angekündigt.

Vorstand warnt vor weiteren Streiks

Postbus-Vorstand Goldmann warnt die Personalvertretung vor weiteren Kampfmaßnahmen. Die Sanierung des Unternehmens sei "gut unterwegs", die "ambitionierten Ziele" könnten allerdings nur erreicht werden, "wenn die 1.500 Busse in Österreich unterwegs sind". Kampfmaßnahmen der Personalvertretung, die sich gegen das Unternehmen richteten, seien daher aus Vorstandssicht "kontraproduktiv und entbehrlich".

Weitere Streiks würden das Ansehen gefährden: "Ich will nicht, dass der bisher stets verlässliche Postbus plötzlich als unzuverlässiger Partner angesehen wird und die privaten Busunternehmen davon profitieren", so Goldmann laut Pressemitteilung. "Ich appelliere daher an alle Bediensteten, in ihrem Interesse und im Interesse des Unternehmens, den ordnungsgemäßen Fahrbetrieb aufrecht zu erhalten und nicht der Konkurrenz in die Hände zu spielen", so Goldmann weiter.

Jeder Streiktag koste die Postbus AG rund 730.000 Euro. Das könne sich das Unternehmen nicht leisten. (APA)

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