Sommertourismus muss hohe Erwartungen dämpfen

5. Juni 2002, 19:07
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Nach Rekordwinter verheißen Prognosen wenig erfreuliches

Wien - Trotz eines Rekordwinters für den heimischen Tourismus verheißen neueste Prognosen für die kommende Sommersaison wenig erfreuliches. Egon Smeral, Tourismusexperte des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), erwartet ein nominelles Umsatzplus von rund drei Prozent - inflationsbereinigt würde dann nur etwa ein Prozent tatsächlich überbleiben. Im Sommer 2001 betrug das Plus noch immerhin sechs Prozent. "Der Spielraum für Nächtigungszuwächse ist eher gering", so der Wifo-Experte.

Gründe für diese Einschätzung gibt es mehrere. Waren Experten noch kurz nach dem 11. September davon ausgegangen, dass der "Urlaub im Radius einer Tankfüllung" Österreich nachhaltige Zuwächse aus den Kernmärkten Deutschland, Holland oder Italien bescheren würde, so relativierte Smeral am Mittwoch diese Theorie: Aus Sicherheitsgründen verschobene Fernreisen könnten nun nachgeholt werden, dadurch werde die Wachstumsrate in Österreich gebremst.

Konjunkturlage

Aber auch die allgemeine konjunkturelle Lage werde sich negativ auf die Sommersaison auswirken. Vor allem die ungünstige Einkommensentwicklung und die damit verbundene schwache Nachfrage im wichtigsten Herkunftsland Deutschland bereitet den Touristikern Sorgen.

Schwacher Trost: Amerikanische und japanische Touristen, die im Winter ausgeblieben sind, könnten wieder vermehrt nach Österreich kommen. Daher werde sich der Städtetourismus im Sommer besser entwickeln als der Erholungstourismus, sagte Smeral.

Rekordwinter

Mit der abgelaufenen Wintersaison zeigte sich Tourismus-Staatssekretärin Mares Rossmann mehr als zufrieden. Die Nächtigungen seien um 1,8 Prozent auf 56,26 Millionen gestiegen und hätten damit den Rekordwert des Vorjahres noch um eine Million Nächtigungen übertroffen. 12,43 Millionen Gäste von November bis April bescherten der Tourismusindustrie ein Umsatzplus von nominell 4,5 Prozent - inflationsbereinigt 2,5 Prozent - auf 8,7 Mrd. Euro. Zuwächse gab es sowohl bei Gästen aus dem Ausland als auch bei Österreichern.

Entscheidend für das positive Winterergebnis waren Nächtigungszuwächse aus den beiden wichtigsten Herkunftsländern Deutschland (laut Statistik Austria plus 0,9 Prozent) und Holland (4,5 Prozent). Starke Zuwächse gab es auch bei Gästen aus Großbritannien (10,7 Prozent), Italien (10,5 Prozent) und der Schweiz (neun Prozent). Sogar Belgier fuhren wieder mehr in Österreich Schi (plus 5,1 Prozent). Die verstärkte Preistransparenz nach der Euro-Einführung habe das "günstige österreichische Preis-Leistungs-Verhältnis" sichtbar gemacht, sagte Rossmann. Außerdem konnten die Konkurrenzländer im Süden ihre Währungen nicht mehr "kompetitiv abwerten", ergänzte Smeral.

Kurzurlaube

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer war mit 4,5 Tagen weiterhin rückläufig. Zum Vergleich: Ende der Siebzigerjahre blieben die Gäste noch über sechs Tage. der Trend ging in Richtung Vier-und Fünfsternebetriebe, die um 3,1 Prozent zulegen konnten. Mit Abstand beliebtestes Bundesland für einen Winterurlaub war Tirol, auf das mit fast 24 Millionen knapp die Hälfte aller Nächtigungen entfiel. Auf Rang zwei lag Salzburg mit 12,6 Millionen Nächtigungen. (zwi, DER STANDARD, Printausgabe 6.6.2002)

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