"Rattengift-Prozess" musste wieder vertagt werden

5. Juni 2002, 10:33
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Angeklagter wäre nur sehr eingeschränkt verhandlungsfähig gewesen

Linz - Pünktlich um 08.30 Uhr hatten sich die Anwälte, die beiden 16-jährigen Angeklagten, viele Zuhörer und Medienvertreter im Schwurgerichtssaal des Linzer Landesgerichts versammelt, wo der so genannte Rattengift-Prozess begann - oder beginnen sollte: Denn nach längerem Hin und Her gab der medizinische Sachverständige bekannt, dass der 23-jährige Angeklagte nach seinem Selbstmordversuch nur sehr eingeschränkt verhandlungsfähig wäre. Daraufhin entschied Richter Walter Eichinger, dass neuerlich vertagt wird.

Der Sachverständige hatte den Angeklagten Mittwoch Früh im Linzer AKH untersucht. Der Mann sei "bei klarem Bewusstsein", auch der Kreislauf sei "stabil". Allerdings sei er "blass und zittrig", erläuterte der Sachverständige vor dem Geschwornengericht. Der Angeklagte wäre zwar in der Lage, an der Eröffnung des Prozesses teilzunehmen. "Eine mehrstündige Verhandlung und eine Befragung sind aber derzeit nicht zumutbar", so der Sachverständige.

Daraufhin entschied der Richter, dass der Prozess auf 10. Juni vertagt wird. An diesem Tag sollen die Staatsanwältin sowie die Verteidiger ihre Einleitungs-Plädoyers vortragen, auch mit der Beschuldigtenvernehmung soll begonnen werden.

Der 23-jährige Angeklagte wird jetzt vom AKH ins psychiatrische Wagner-Jauregg-Krankenhaus zur weiteren Behandlung überstellt. Sein Verteidiger beantragte überhaupt ein Gutachten, ob der Mann psychisch verhandlungsfähig ist.

Der 23-Jährige ist gemeinsam mit zwei 16-jährigen Burschen angeklagt, im Juli vergangenen Jahres in Perg einem jungen Pärchen statt der Droge "Speed" das Rattengift Strychnin verkauft zu haben. Das 13-jährige Mädchen und ihr 16-jähriger Freund starben qualvoll. Die Anklage lautet auf Mord in zwei Fällen. Die Beschuldigten selbst bestreiten die Tötungsabsicht.

Der Prozess hätte gestern, Dienstag, beginnen sollen. Einige Stunden vorher hatte der 23-Jährige in seiner Zelle im landesgerichtlichen Gefangenenhaus Linz mit Tabletten einen Selbstmordversuch unternommen, die Verhandlung hatte daher vertagt werden müssen. (APA)

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