Erstes Angebot Indiens zur Kooperation mit Pakistan

5. Juni 2002, 09:48
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Asien-Gipfel: Vajpayee schlägt gemeinsame Patrouillen in Kaschmir vor

Almaty - Der indische Premierminister Atal Behari Vajpayee hat zur Entspannung im Kaschmir-Konflikt gemeinsame Patrouillen mit Pakistan vorgeschlagen, um Anschläge moslemischer Extremisten im indischen Teil der Himalaya-Region zu verhindern. In der inzwischen vierwöchigen Konfrontation zwischen den beiden südasiatischen Atommächten sind die von Vajpayee auf einer Pressekonferenz in Almaty (Alma Ata) am Rande der Asiatischen Sicherheitskonferenz gemachten Äußerungen die erste Bekundung einer Kooperationsbereitschaft von der indischen Seite.

"Indien und Pakistan können gemeinsame Patrouillen durchführen", sagte der Regierungschef in der vom indischen Fernsehen übertragenen Pressekonferenz vom Asien-Gipfel in Kasachstan, an dem unter anderen auch Pakistans Staatschef General Pervez Musharraf sowie der russische Präsident Wladimir Putin und Chinas Staats- und Parteichef Jiang Zemin teilnehmen. Kaschmir ist zwischen Indien und Pakistan geteilt, auch China kontrolliert einen Abschnitt des Gebiets.

"Wir wollen von der Konfrontation weg"

"Es kann eine gemeinsame Verifizierung geben, es gibt aber keinen Bedarf für eine Überprüfung durch eine dritte Seite", sagte Vajpayee zu amerikanischen und britischen Vorschlägen, die Waffenstillstandslinie zwischen dem indischen und pakistanischen Teil Kaschmirs von einer Beobachtertruppe überwachen zu lassen. "Wir wollen von der Konfrontation weg und hin zu einer Zusammenarbeit", sagte er vor seiner Rückreise nach Indien.

Vajpayee hatte ein Treffen mit Musharraf in Almaty abgelehnt. Der Dialog mit Islamabad werde erst dann wieder aufgenommen, wenn der grenzüberschreitende Terrorismus aufhöre, bekräftigte er. In pakistanischen Ausbildungslagern würden 3.000 islamische Untergrundkämpfer ausgebildet, sagte er weiter. Seit Beginn der Sezessionsbewegung in Kaschmir vor zwölf Jahren sind mindestens 60.000 Menschen getötet worden.

"Infiltration" muss aufhören

"Wenn die Infiltration aufhört, Terroristenlager entlang der Grenze verschwunden sind und die Überprüfung erfolgt ist, können wir andere Schritte zur Deeskalation erörtern", sagte Vajpayee.

Putin scheitert mit Vermittlungsversuch

Dem russischen Präsidenten Putin war es zuvor nicht gelungen, Musharraf und Vajpayee zu einem direkten Gespräch an einen Tisch zu bringen. Er sprach nach Treffen mit beiden Politikern dennoch von einer leichten Entspannung. Beide hätten ihm versichert, den Konflikt nicht mit Gewalt lösen zu wollen, erklärte Putin.

Musharraf sagte vor seiner Abreise aus Almaty, er habe eine Einladung Putins nach Moskau angenommen. Er wisse nicht, ob auch Vajpayee in die russische Hauptstadt kommen werde, erklärte er. Putin reist im Dezember zu einem Staatsbesuch nach Indien; es galt als unwahrscheinlich, dass der indische Premier vorher noch nach Moskau kommt.

Powell: Keine Annäherung

US-Außenminister Colin Powell sagte unterdessen in einem Radiointerview in Washington, seiner Ansicht nach gebe es eine kleine Annäherung in dem Konflikt. Er fügte aber hinzu: "Die Spannung ist immer noch sehr groß." Es sei mehr Zeit nötig, damit eine friedliche Lösung gefunden werden könne. (APA)

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